Thomas Gradinger wird Plan "B" in Angriff nehmen und hofft, 2023 mit Eder Racing neu in der IDM durchzustarten. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

Wenn die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) am kommenden Wochenende ihr Finale in Hockenheim austrägt, ist die Saison für Thomas Gradinger nicht abgeschlossen. Der Supersportler vom Team Eder Racing ist noch lange mit seinen Verletzungen beschäftigt, bevor er im nächsten Jahr wieder Motorrad fahren kann. Der Österreicher äußert sich gegenüber der IDM-Redaktion so offen und sensibel wie noch nie über seine Zukunft.

Den 26-jährigen Yamaha-Fahrer hatte das Pech 2022 mehrfach ereilt. Zuerst brach er sich bei einem Sturz in Oschersleben die Speiche in der rechten Hand. In Schleiz verletzte sich der zu den Titelfavoriten gehörende Oberösterreicher an der Schulter und er brach sich drei Brustwirbel.

Nach dem Hockenheim-Finale, das er als Zuschauer in der Box des Teams erleben wird, stehen weitere Operationen an. „Am Rücken und an der Hand werden Stäbe, Schrauben und Platten entfernt.“ Ein kleiner Schönheits-Makel wird vorläufig übrig bleiben. Gradingers Rücken-Tattoo mit seiner Startnummer und dem Motorradfahrer wird etwas leiden, „aber das wollte ich sowieso schon mal nachstechen lassen“, nimmt er das nicht tragisch.

Der Plan sich in der IDM neu zu stärken, um danach wieder in die Supersport-Weltmeisterschaft aufsteigen zu können, liegt auf Eis. Gradinger war der WM-Sprung nach oben 2017 als IDM-Champion gelungen. Verschiedenste Umstände unterbrachen jedoch seine Karriere auf WM-Niveau. „Jetzt ist es, wie es ist, das kann ich nicht ändern. Der Plan ist manchmal nicht realisierbar. Da muss man sich anpassen“, betrachtet Gradinger die Situation realistisch. „Ich gehe aber davon aus, dass ich nächstes Jahr mit Eder Racing weitermache. Aber ich muss erstmal sehen, wann ich wieder aufs Motorrad komme und wie das dann ausschaut. Es war ja keine kleine Verletzung an meinem Rücken.“ Laut der behandelnden Ärzte habe Gradinger „ein Riesenschwein gehabt“, dass er jetzt nicht im Rollstuhl sitzt. Das hat Spuren bei ihm hinterlassen. „Zwei Tage lang habe ich das Motorradfahren sogar hinterfragt“, offenbart Gradinger, „dann war das wieder vorbei. Ohne geht es nicht. Ich habe jetzt aber mehr Freude an manchen Dingen und die Wertschätzungen haben sich geändert. „Ich kann mich nicht beschweren, wenn ich mal auf Krücken gehe.“

Beim Hockenheim-Finale wird der Österreicher Leon Lambing wie schon zuletzt auf dem Red Bull Ring die Supersport-Yamaha YFR-R6 von Gradinger im badischen Motodrom bewegen.