Einsatz unter Freunden: Stefan Kerschbaumers Auftritt in Hockenheim ist eine Entscheidung aus Herz und Verstand von Teamchef Karsten Wolf. Text: Anke Wieczorek; Fotos: GERT56

Das IDM Superbike-Finale in Hockenheim vom 23. bis 25. September 2022 lässt sich das Team GERT56 trotz der beiden verletzten Fahrer Julian Puffe und Toni Finsterbusch nicht entgehen. Als Ersatz geht der Österreicher Stefan Kerschbaumer auf der BMW M 1000 RR an den Start. Im Team ist er bestens bekannt. Er war im Rahmen der Langstrecken-Weltmeisterschaft an den beiden FIM Endurance World Superstock-Siegen bei den 24-Stunden von Le Castellet (Bol d’Or) und den 24 Stunden von Le Mans bei GERT56 beteiligt. Das Drehbuch könnte nicht besser geschrieben sein: Einen Sieg holte er zusammen mit Puffe, einen mit Finsterbusch.

Nun steht GERT56 fast schon am Ende der zweiten IDM-Saison. Sie war gespickt mit Höhen und Tiefen. Auf dem Schleizer Dreieck holte der Local Hero Julian Puffe zwei Podiumsplätze. Der 26-Jährige übernahm bei seinem Heimrennen den dritten Tabellenplatz in der IDM Königsklasse. Im Gegensatz dazu verletzte sich Teamkollege Finsterbusch bei einem unverschuldeten Sturz so schwer, dass er die Saison 2022 vorzeitig beenden musste.

Puffe erwischte es in Assen. Nach zehn Minuten im ersten freien Training stürzte er per Highsider vom Motorrad. Puffe brach sich den Fuß. Damit war nicht nur die zweite BMW M 1000 RR des Teams ein Totalschaden, sondern auch die Hoffnung auf einen erfolgreichen Saisonabschluss zunichte.

Dass das Handy von Teamchef Karsten Wolf hinsichtlich der Gaststartangebote nicht mehr still stand und sich viele Fahrer anboten zu helfen, war für die sächsische Mannschaft einerseits eine Ehre, andererseits die Gewissheit, ein attraktives Paket am Start zu haben.

„Den Totalausfall und das vorzeitige Saisonende beider Superbike-Piloten zu akzeptieren fällt mir sehr schwer“, sagt Wolf und schiebt nach: „Während mich der Rennunfall und die Verletzung von Julian in Assen traurig stimmt, ärgern mich der Hergang und die Umstände des unverschuldeten Crashs von Toni Finsterbusch in Schleiz heute noch enorm. Hier habe ich nach der Genesung aller Beteiligten auch noch Gesprächsbedarf.“

GERT56 bewies bereits zum Saisonstart auf dem Lausitzring, mit Fahrwerkspartner Mototech SPV und Technikpartner RS Speedbikes genau die richtigen technischen Änderungen vorgenommen zu haben, um erfolgreich zu sein. In der Kombination mit Toni Finsterbusch und Julian Puffe, die auf fast identischem Niveau agierten, kamen die erhofften Ergebnisse, die vor einem Jahr noch außer Reichweite waren. Bis zum Totalausfall.

Aber Hockenheim ohne GERT56? Für Wolf kommt das nicht in Frage und Kerschbaumer ist für ihn genau der richtige Einsatzfahrer. „Er verkörpert wie kein anderer die erfolgreichste Zeit bei GERT56 und war viele Jahre fester Bestandteil der IDM. Wir stellen ihm ein vollgetanktes und perfektes Bike hin und dann wollen wir alle Spaß haben. In der Endurance-Szene hatte ich immer Ruhepuls, wenn ich ihm das Bike in den schwierigsten Phasen anvertraut habe. So ist es auch diesmal.“

Der Österreicher hatte zum Wochenbeginn im Autodrom Most sein erstes Roll-Out. „GERT56 und ich haben einige Erfolge gemeinsam gefeiert und natürlich ist es jetzt schön, dass wir endlich auch in der IDM zusammen sind – wenngleich die Umstände nicht die schönsten sind. Ich freue mich aber, dass Toni und Julian wenigstens als Zuschauer dabei sein werden. Der erste Test mit der BMW hat Spaß gemacht. Ich bin jetzt schon seit einiger Zeit kein Rennmotorrad mehr gefahren. Daher sollte man die Erwartungen an Hockenheim auch nicht so hoch schrauben.“