Der Österreicher Leo Rammerstorfer gewinnt ein emotionales und kurioses Rennen. Mit einem Vorsprung von 11 Tausendstel konnte er sich gegen Máté Számadó durchsetzen. Foto: Dino Eisele, Text: Rowena Hinzmann

Gänsehaut. Tränen. Glück. Dramatik. Bittere Enttäuschung. Anders lässt sich das zweite Rennen der IDM Supersport 300 in Most am Sonntag nicht beschreiben. Es war bitterlich schön und traurig zugleich. Es war ein Cocktail an Emotionen. Am Ende: Zwei Sieger, die sich als Sieger glaubten. Beide hätten auch das erste Mal in der IDM ganz oben auf dem Treppchen gestanden. Erst dachte Leo Rammerstorfer (Freudenberg KTM – Paligo Racing), er hätte das Rennen gewonnen. Dann zeigte die Ergebnisanzeige aber Máté Számadó als Gewinner an. Im Parc ferme dann die Korrektur nach der Überprüfung des Foto-Finishs durch die Rennleitung: Rammerstorfer ist nun doch der offizielle Champion des heutigen Rennens. 11 Tausendstel, ein Hauch von nichts, machten den Unterschied zwischen ihm und Máté Számadó aus. Bei 30 Grad Lufttemperatur kämpften die beiden in der Spitzentruppe mit Marvin Siebdrath (Füsport – RT Motorsports by SKM – ) und Lennox Lehmann (Freudenberg KTM – Paligo Racing) um den Sieg mit viel Schweiß und Willen. „Es war ein purer Nervenkitzel hier heute zu fahren“, sagte Leo Rammerstorfer anschließend. Máté Számadó beschrieb das Rennen als „völlig verrückt“.

Aber es gab auch zwei, deren Leid man buchstäblich mitfühlen konnte: Walid Khan (Freudenberg KTM – Paligo Racing) und Marvin Siebdrath. Khan ging vom Start aus direkt an die Spitze und führte über acht von elf Runden das Rennen mit einem 3-Sekunden Vorsprung an. Bis die Technik streikte und ihn Gas und die Power verließen. Innerhalb einer Runde kassierte ihn die Verfolgergruppe ein. Wie in Zeitlupe konnte er dabei zusehen, wie sein eigentlich sicher geglaubter Sieg sich von ihm verabschiedete. Am Ende landete er auf Platz neun. Seinen Helm nahm er auf dem Weg zu seiner Box nicht ab.

Marvin Siebdrath war der andere Pechvogel des Tages, dabei hatte er eigentlich alles richtig gemacht. Er biss sich in der Führungsgruppe fest, fuhr konstant, beobachtete seine Gegner und überholte in der letzten Runde Számadó zum Führungswechsel. Doch dann kam er leicht ins Rutschen und konnte mit Ach und Krach noch einen Highsider und damit das Ende des Rennens verhindern. Die Führung war damit aber wieder weg. Er kam hinter Troy Alberto (Füsport – RT Motorsports by SKM – Kawasaki) als Vierter in Ziel. Da Alberto aber als Gaststarter angetreten ist und nicht gewertet wird, kassiert Siebdrath die 16 Punkte für die Gesamtwertung. Die Enttäuschung in seinem Gesicht war hingegen spürbar und ließ einen am ganzen Körper schaudern.

Lennox Lehmann hatte ähnliche technische Probleme wie Khan und kam auf Rang fünf. Er freute sich aber zusammen mit seinem Teamkollegen und Freund Leo Rammerstorfer über dessen ersten eingefahrenen Sieg in der IDM.

Kawasaki-Fahrer Jorke Erwig (Kawasaki Weber Motos Racing) wurde Sechster. Auch für ihn lief das Wochenende nicht einwandfrei und ohne Enttäuschung. Am Samstagabend wurde dem 16-Jährigen nachträglich sein achter Platz aus dem ersten Rennen durch die Rennleitung noch aberkannt, da sein Motorrad nicht dem technischen Reglement entsprach.

Eine starke Leistung bewies Michel-Caspar Wieth (Yamaha bLU cRU IDM by Kiefer Racing). Der Deutsche, der durch eine unverschuldete Kollision mit Troy Alberto im zweiten Qualifying vom vorletzten Platz in die Rennen ging, ließ mehr als die Hälfte seiner Gegner hinter sich und landete auf Platz 12.

IDM SSP 300, Ergebnis Rennen 2:

  1. Leo RAMMERSTORFER (AUT/KTM)
  2. Mate SZAMADO (HUN/Kawasaki)
  3. Troy ALBERTO (PHL/KTM)
  4. Marvin SIEBDRATH (DEU/Kawasaki)
  5. Lennox LEHMANN (DEU/KTM)
  6. Jorke ERWIG (DEU/Kawasaki)
  7. Filip FEIGL (CZE/Kawasaki)
  8. Troy BEINLICH (DEU/Kawasaki)
  9. Walid KHAN (NLD/KTM)
  10. Ferre FLEERACKERS (BEL/Kawasaki)