Sport und Bildung auf den Punkt gebracht: Hinter dem ungarischen HRE-Team steckt eine Investition in beide Seiten. Text: Anke Wieczorek, Fotos: HRE-Team

Sie haben sich im langen Winter ausgiebig auf dem RabócsiRing in Máriapócs vorbereitet. Nun gibt es kein Zurück mehr für die vier Jungs aus Ungarn: Gergő Kardos, Barnabás Oláh, Balázs Surányi und Máté Számadó sind 15 Jahre alt und werden auf Kawasaki Ninja 400 in der Kategorie IDM Supersport 300 antreten. Auch wenn der geplante Saisonauftakt auf dem Lausitzring wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde.

Hinter der Nennung des ungarischen Hungarian Racing Engineering Teams steckt einiges. Es hat sich nicht nur mit der stolzen Anzahl von vier Fahrern in der IDM Supersport 300 angemeldet, sondern die Ingenieure und Mechaniker sind größtenteils Studenten der MAMI Ung. Motorradmechaniker Fachmittelschule oder der Széchenyi István Universität aus Győr. Das HRE-Team versteht sich als Kombination aus Sport und Bildung. Schüler und Studenten sollen ihr Wissen in einer echten Wettbewerbssituation vertiefen können.

Auch die vier Rennfahrer sind MAMI-Schüler. Ziel ist es, nicht nur schnelle junge Fahrer für den ungarischen Motorsport auszubilden, sondern auch qualifizierte Fachkräfte, die Erfahrungen auf verschiedenen internationalen Rennstrecken sammeln können.
„Sowohl auf Teamebene als auch in Bezug auf das Training unserer Rennfahrer können wir ohne jegliche Bedenken an einer hochkarätigen internationalen Meisterschaft teilnehmen“, sagt HRE-Teamchef Károly Lévay. „Es wird eine Herausforderung sein, keine Frage, aber ich bin sicher, dass wir die Erwartungen erfüllen werden.“ Bei einem Tagestest im Herbst brachen alle Jungs ihre bis dahin aufgestellten Streckenrekorde.

Im Winter wurde großen Wert auf das Konditionstraining wie auch die Förderung der mentalen Fähigkeiten bei den Fahrern gelegt. Zusätzlich zu den Trainingseinheiten im Fitnessstudio wurden die Reflexe der Fahrer auf dem professionellen Rennsimulator des MAMI-Technikums geschärft.
Die COVID-19 Krise machte aber auch um Ungarn keinen Bogen. Gergő Kardos, Barnabás Oláh, Balázs Surányi und Máté Számadó waren deshalb kreativ und stärkten ihre Ausdauer mit Bergwanderungen. „Trotz der vielen Hindernisse haben wir es geschafft, gemäß unserem geplanten Vorbereitungsprogramm fortzufahren, das eine körperliche und geistige Vorbereitung umfasste. Wir haben viel Arbeit hinter uns. Ich denke, die Jungs haben physisch den internationalen Elitestandard erreicht“, heißt es aus der Teamzentrale seitens des Chefs.

In der letzten Märzwoche trainierte das HRE-Team bereits mit den rennfertigen SSP300-Bikes. Supersport-WM-Pilot Péter Sebestyén half den IDM-Jungs, auf dem RabócsiRing die idealen Kurven zu finden und die Rundenzeiten immer wieder zu verbessern. Er testete auch die Motorräder und half bei der Suche nach den richtigen Einstellungen. Teamchef Károly Lévay berichtet, dass COVID-19 zwar auch hier 19 einige Pläne zerstörte, da Renningenieure erkrankt waren und spezielle Ersatzteile zu spät kamen, „aber gerade deshalb sind wir sehr stolz auf das, was wir bereits erreicht haben.“