Sarah Heide war in allen IDM-Klassen am Start: Superbike, Supersport 600 und Supersport 300. Sie gewann als erste Frau ein IDM-Rennen. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele, ari

Sarah Heide gehörte jahrelang zum Stammpersonal im IDM-Fahrerfeld. Doch nun verabschiedet sich die 32-jährige aus der Meisterschaft, in der sie als erste weibliche Laufsiegerin in die Geschichte einging.

Es war am 19. Juni 2011, als Sarah Heide auf dem Sachsenring das Rennen ihres Lebens fuhr und gewann. Es schien eine völlig verrückte Entscheidung zu sein, im Reifenpoker vor dem zweiten Supersport 600-Lauf entgegen der fast kompletten Konkurrenz auf Trockenreifen zu setzen. Doch das Schicksal hielt einen guten Tag für Heide bereit. Zwar dominierten in den ersten beiden Runden nach dem Start die Fahrer mit Regenreifen auf dem nassen Traditionskurs, doch der erwartete große Schauer blieb aus. Als die Strecke sogar abtrocknete, wurde ein Regenreifen-Fahrer nach dem anderen zum Opfer des sich auflösenden Gummis. Sarah Heide und ihr damaliger Teamkollege Thomas Walther wurden auf den Slicks dagegen immer schneller. Es ging immer weiter vorwärts für die Beiden. Einem Überholvorgang folgte der nächste. Die favorisierte Konkurrenz wurde regelrecht gedemütigt. Und zum Schluss war Sarah Heide auf der Suzuki GSX-R 600 an der Spitze. Ihr gelang als erste Frau ein IDM-Sieg: fassungslos und überglücklich.

Ihre Karriere begann in der ADAC Mini Bike-Klasse. Von dort stieg sie in den ADAC Junior Cup auf. Ihre berufliche Ausbildung zur Motorradmechanikerin absolvierte die Sächsin zeitgleich bei Suzuki-Händler Stefan Laux im bayrischen Triefenstein, in dessen Racing Team sie fortan fest integriert war. 2017 ging es in die Königsklasse IDM Superbike 1000. Mit einem Start, der in Erinnerung bleibt. Heide durfte auf der brandneuen Suzuki GSX-R 1000 drei Runden hinter dem 1993er Motorradweltmeister Kevin Schwantz herfahren. Der Suzuki-Held aus Texas war Gast bei der ADAC Sachsenring Classic. Doch im IDM-Rennbetrieb hatte Heide kein Glück. Das Verletzungspech haftete an ihren Fersen. Das Schlimmste: es begann nicht auf dem Motorrad, sondern bei einem Sturz mit dem Fahrrad im Fahrerlager von Assen, mit dem sie lange zu kämpfen hatte. Ein Jahr später sammelte sie in der Königsklasse drei Punkte und 2019 kam sie auf 14 Zähler. Der Rückzug des deutschen Suzuki-Importeurs aus der Klasse animierten Heide und das Team, sich einer anderen Klasse zuzuwenden, die ihr besser entsprach. Die Saison 2020 begann für Heide auf einer Yamaha YZF-R3 in der IDM Supersport 300. Beim ersten Lauf in Assen stürzte Sarah Heide erneut schwer und zertrümmerte sich den kleinen Finger. Bei der Fahrerin des Team Laux ADAC Sachsen war der Wurm drin. Die Verletzung benötigte wieder eine lange Heilungszeit. Die Zwangspause wie auch die Corona-Krise veranlassten Heide zu dem Entschluss, den Helm an den Nagel zu hängen.

Völlig von der Bildfläche verschwinden wird sie nicht, lässt sie wissen: „Nach 20 Jahren in der IDM habe ich mich dazu entschlossen, es in der Zukunft ruhiger angehen zu lassen. Ich bin jetzt in einem Alter, indem man sich auch nach anderen Dingen umsehen muss. Ich weiß zwar noch nicht genau was es sein wird, aber ich werde auf jeden Fall dem Sport, auch dem Motorradrennsport, falls sich irgendetwas ergibt, verbunden bleiben und freue mich auf eine neue, spannende Zukunft!“ Einer bleibt auf jeden Fall an ihrer Seite: Sky, ihr bester Freund auf vier Pfoten.