Von Deutschland aus geht´s besser: Martin Vugrinec ist ein kroatischer Exportschlager, der die Motorradwelt erobern will. Text: Anke Wieczorek, Fotos: UNIOR Racing Team

Bochum hat ein Herz aus Stahl. Bochum ist die Stadt „wo das Herz noch zählt“, wie der berühmte Sohn Herbert Grönemeyer seine Heimat inmitten des Ruhrgebiets beschreibt. Wo Stahl und Kohle Geschichte geschrieben haben und „Herbie“ als Kultsänger groß geworden ist, lebt inzwischen auch „Spider“ Martin Vugrinec. Der 21-jährige IDM Supersport 600-Fahrer vom UNIOR Racing Team ist für seine Rennsportkarriere von Kroatien ins Herz des Reviers gezogen.

In Osteuropa hat Vugrinec, genannt „Spider“-Martin, so ziemlich alles erreicht in seiner Klasse, den Alpe Adria Cup gewonnen und auch die heimische 600 ccm-Meisterschaft. 2018 tauchte der Yamaha YZF-R6-Pilot in der IDM auf, zeigte sich aber noch verhalten.
Ganz anders 2019: sechs Podiumsplätze erreicht und in allen Rennen auf den Punkterängen ins Ziel gekommen. Das haben außer ihm nur Marc Buchner und Wayne Tessels geschafft.
Der Lohn: Dritter in der Gesamtwertung am Jahresende. Vugrinecs Ziel: irgendwann Weltmeister werden. Aber vorerst muss er sein erstes IDM-Rennen gewinnen. Das fehlt nämlich noch. Obwohl die Konkurrenz stark ist wie lange nicht, gehört Vugrinec aber zu den Jungs, die sich die meisten Chancen ausrechnen dürfen.

Die IDM ist ein wichtiger Meilenstein in Vugrinecs Karriere und dass er nach Deutschland gezogen ist, hat einen triftigen Grund, wie der Profisportler erzählt: „Ich lebe seit etwas mehr als einem Jahr in Bochum. In Kroatien gibt es nicht genug finanzielle Mittel und zu wenig Interesse am Motorsport. Um mein Ziel, Weltmeister zu werden, zu erreichen, mussten wir woanders hinziehen. Da wir einige gute Freunde und Teampartner haben, die in Nordrhein-Westfalen leben, sind wir hierher gezogen und werden auch noch eine Weile bleiben.“

Die Vorbereitung auf die IDM Supersport 600-Saison 2020 wurde wie bei allen anderen Teams auch beim Hoffnungsträger des UNIOR Racing Teams durcheinander gewirbelt. Das im März angesetzte Training in Spanien wurde nach einem Tag gecancelt. Das Team musste die Rennstrecke von Valencia wegen der sich ausbreitenden Corona-Pandemie verlassen.

„Wir hatten gehofft, dass alles in ein paar Tagen enden wird“, erzählt Vugrinec weiter, „also beschlossen wir, etwas südlich von Barcelona im Strandhaus eines Freundes zu warten, bis die Lage besser ist. Nach zehn Tagen spitzte sich die Lage aber noch mehr zu und wir kehrten nach Bochum zurück.“ Dort konnte sich Vugrinec noch mit einem Pitbike in die Schräglage fallen lassen. Die meiste Zeit musste er dann aber doch im eigenen Fitnessbereich an seinem Körper arbeiten.
Seit Mai läuft es wieder richtig rund. Vugrinec war viel auf der heimischen Rennstrecke in Grobnik anzutreffen. „Gleich danach habe ich in Rijeka an einer Veranstaltung zur Kroatischen Meisterschaft teilgenommen. Eigentlich war das nicht der Plan, aber da ich schon vor Ort war, habe ich das mitgenommen und beide 600er-Rennen gewonnen.

Bevor die erste IDM-Runde vom 14. bis 18. August 2020 in Assen startet, lernt der Kroate auch noch den Sachsenring kennen, auf dem die zweite IDM-Veranstaltung ausgetragen wird. Er ist gerüstet für alles, was dann kommt.