IDM
Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft
IDM: Kampf um Tausendstelsekunden in Most

IDM: Kampf um Tausendstelsekunden in Most

Ganz tief in die Kurve legen heißt es am kommenden Wochenende bei der nächsten IDM-Runde im tschechischen Most. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele, Toni Börner

Atemberaubende Zweikämpfe, hautenge Zieleinläufe und Action in jeder einzelnen Klasse und ein offenes Fahrerlager für die Besucher. Das macht die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) aus. Vom 23. bis zum 25. Juni 2023 gastiert Deutschlands höchste Straßenrennsportserie im tschechischen Most. Der Termin im Nachbarland hat eine lange Tradition. Fans haben die Möglichkeit, die Action auf der Rennstrecke hautnah zu erleben.

Nach zwei Veranstaltungen versucht Spitzenreiter Florian Alt (DEU/Honda) in der Königsklasse IDM Superbike seinen Vorsprung weiter auszubauen. Denn schon heute steht fest, dass er im August auf dem Red Bull Ring nicht am Start sein wird, da es zu einer Überschneidung mit einem Rennen zur FIM Endurance World Championship kommt, die für den Nordrhein-Westfalen Vorrang hat. Bis dahin hofft er so viele Punkte gebunkert zu haben, dass er trotzdem seine Chancen auf den Titel wahrt. Sein Abstand zum Zweitplatzierten in der Tabelle, Hannes Sommer (EST/Honda), beträgt momentan 27 Punkte. Aber das kann sich alles schnell ändern. So hat auch der dreifache Deutsche Superbike-Meister Ilya Mikhalchik (UKR/BMW) noch längst nicht aufgegeben. Zwei Stürze haben den Titelfavoriten zwar schwer zurück geworfen, doch die Erfahrung hat gezeigt, dass erst ganz zum Schluss abgerechnet wird. Mit Mikhalchik ist trotz seines achten Tabellenrangs schwer zu rechnen an der Spitze. Es ist eine hochgradig spannende Angelegenheit. In der IDM Superbike wird auf vier Motorradmarken gefahren: BMW, Honda, Kawasaki und Yamaha. Die Teilnehmer kommen aus acht Ländern.

In der IDM Supersport ist die Dramatik kaum zu überbieten. Der Niederländer Melvin van der Voort (NLD/Yamaha) gewann die ersten beiden Rennen in der Klasse überlegen und schien einen Alleingang zu machen, doch bei der zweiten Veranstaltung stürzte er in beiden Läufen. Der 17-Jährige Yamaha-Fahrer fiel auf den dritten Tabellenplatz zurück. Dafür raste sein Landsmann Twan Smits (Yamaha) zwei Mal aufs Siegerpodium, sahnte die volle Punktzahl ab und schuf sich mit 31 Punkten Vorsprung ein ansehnliches Polster als Erster in der Gesamtwertung. Und zwischendurch wird immer wieder Deutsch gesprochen. Die Österreicher Andreas Kofler (Yamaha) und Thomas Gradinger (Yamaha), Leon Orgis (DEU/Yamaha) aus Arnsdorf und der Schweizer Yves Stadelmann (Yamaha) belegen Top-Ten-Plätze. Und es stellt sich die Frage: Wann fährt die erste Kawsaki aufs Podest? Der Kampf Blau gegen Grün geht weiter. Luca de Vleeschauwer (BEL) hofft mit der ZX-6R in Most auf seine Chance. Und es gibt eine Premiere in diesem Jahr. Zwei Ducati-Fahrer werden am Start sein.

Die Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 wird von einem Spanier angeführt. Der Vorsprung von Inigo Iglesias (Kawasaki) beträgt ganz im Gegensatz zu den größeren Klassen nur drei Punkte auf Dustin Schneider (DEU, KTM). Wenn aber der Niederländer Walid Khan (KTM) so weitermacht, wie er zuletzt aufgehört hat, kann der derzeit Dritte mit einem Sieg die Tabellenführung übernehmen,. Die Abstände in der kleinsten IDM-Klasse sind nicht nur in der Gesamtwertung knapp, sondern auch in den Rennen. Nicht selten entscheiden Hundertstelsekunden, wenn nicht sogar Tausendstel, über Sieg und Niederlage. Und es bleibt abzuwarten, wann und wo es Titelverteidiger Marvin Siebdrath (DEU/Yamaha) aus der gegenwärtigen Talsohle schafft. Für zusätzlichen Nervenkitzel sorgt die Tatsache, dass in Tschechien auch wieder Fahrer wie Lennox Lehmann (DEU/KTM) und Dirk Geiger (DEU/KTM) am Start sind, die ansonsten in der Supersport 300-Weltmeisterschaft fahren.

In der FIM Sidecar World Championship sind die Motoren noch warm vom WM-Lauf im belgischen Spa am vergangenen Wochenende. Die Brüder Tom und Ben Birchall (GB) haben die Führung verteidigt und lieferten sich einen Schlagabtausch mit den Titelverteidigern Todd Ellis/Emanuelle Clement (GB/FRA). Immer ganz nah dran: Stephen Kershaw/Ryan Charlwood (GB/GB). Fakt ist, dass im Moment alle die Birchall-Brüder jagen in der Hoffnung, dass sich der Abstand zu ihnen verkleinert.
Bestes deutsches Gespann ist derzeit Josef Sattler/Luca Schmidt auf Position sieben. Sattler erhofft sich einiges von der WM-Runde in Most, in der gleichzeitig die untergeordnete IDM-Wertung ausgetragen wird, die er anführt. „Jetzt kommen wir auf eine Strecke, die ich kenne und die ich mag“, so der Bayer.

Für ein volles Programm ohne Pause sorgen in Most die zusätzlichen Klassen Pro Superstock 1000, die Supersport 300 Women´s European Championship und der Northern Talent Cup. Den Zuschauer erwartet die ganze Bandbreite an hochkarätigem Spitzensport bis hin zu den Talentschmieden der Zukunft. Jeder Ticketinhaber hat freien Zutritt zum Fahrerlager.

Worauf noch warten? Die Eintrittspreise liegen zwischen 5,00 Euro für das Tagesticket am Freitag bis 35,00 Euro für die Karte für das ganze Wochenende. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.