Den goldenen Helm hat sich Markus Reiterberger redlich verdient. Jetzt kommt noch ein weiterer Pokal dazu, so auch für Dominik Vincon und Kamil Krzemien. Text: Anke Wieczorek; Foto: Björn Gramm

Was war das für ein Rennen. Nach dem tristen Sonntagmorgen entschädigten die IDM-Superbiker das Publikum beim gut besuchten IDM-Finale in Hockenheim mit einem Sprint der Extraklasse.

Die Strecke war beim Start nass. Die abgedeckten Ölspuren stellten keine Gefahr dar, denn der Boden ist dort besonders griffig, aber einigen Fahrern waren die Stellen mit dem Bindemittel trotzdem nicht ganz geheuer. Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW) erwischte einen lupenreinen Start und zelebrierte seinen vorzeitigen Meisterschaftsgewinn mit einem weiteren Sieg. „Seit langem sind wir mal wieder im Nassen gefahren. Ich habe mir hinten noch eine andere Feder ins Chassis einbauen lassen. Das hat gepasst.“

Polesetter Florian Alt (Wilbers-BMW-Racing), der den vierfachen Meister unbedingt noch besiegen will, war weniger gut weg gekommen und agierte äußerst vorsichtig. Es ist bekannt, dass er den Mix von abwechselnd trockenen und feuchtem Untergrund überhaupt nicht mag.

Aus der ersten Runde kam Reiterberger in Führung liegend vor Gastfahrer Dominik Vincon (GERT56) zurück. Dahinter hatten sich Rob Hartog (Team SWPN), Florian Alt, Kamil Krzemien (BCC-alpha-Van Zon-BMW), Bastien Mackels (Kawasaki Weber-Motos Racing), Pepijn Bijsterbosch (BCC-alpha-Van Zon-BMW) und Luca Grünwald (HRP Honda) eingefädelt. Hartog wurde im Laufe des Rennens durchgereicht. Die Duelle konzentrierten sich auf Alt und Krzemien und anschließend Grünwald.

Zwischen Alt und Krzemien passte zeitweise kein Blatt. Der 26-jährige Deutsche gewann vor einer Woche mit der französischen Crew Viltais Racing Igol den prestigeträchtigen Langstrecken-Klassiker, Bol d´Or. Zu seinem Auftritt in Hockenheim war jetzt sogar EWC-Teammanager Yannick Lucot angereist. Doch der erste Lauf für Alt endete zum Schluss auf dem fünften Platz. Ein kleiner Trost bleibt: Eine Chance, den überragenden Markus Reiterberger zu schlagen, bleibt noch: 15:00 Uhr im zweiten Rennen des Tages.

Luca Grünwald hatte sich nach vorn durchgeboxt. Teamchef Jens Holzhauer war völlig aus dem Häuschen und haute vor emotionalem Überschuss mit der Faust auf die Boxenmauer. In der Applaus-Kurve im Motodrom trieb es den Zuschauern beim Überholmanöver mit Krzemien den Blutdruck in die Höhe. Grünwald ging aufs Ganze und war sogar 1,7 Sekunden schneller als Reiterberger in der schnellsten Runde. Es ging hin und her. Eigentlich war schon alles vorbei, als der Pole doch noch einmal angriff. Weil Grünwald in der letzten Kurve zu weit nach außen getragen wurde, ging der dritte Platz letztlich wirklich Krzemien, der später sagte: „Als Luca mich überholt hatte, dachte ich mir, das geht nicht. Den Podiumsplatz gebe ich nicht mehr her.“

GERT56-Gastfahrer Dominik Vincon hatte das Ziel als Zweiter gesehen: als Ersatzfahrer vom erkrankten ursprünglichen Ersatzfahrer Stefan Kerschbaumer. Seit der IDM in Zolder 2019 war Vincon keinen IDM-Lauf mehr gefahren. Der BMW-Fahrer aus der Endurance-WM hat nichts verlernt. Die verletzten Stammfahrer Julian Puffe und Toni Finsterbusch hatten es sich nicht nehmen lassen, zum Finale nach Hockenheim zu kommen: Puffe mit Krücken, Finsterbusch seit anderthalb Wochen ohne. Sie sahen das Rennen in der Box. Die Freude über das Ergebnis war groß, nur gefeiert wurde wie überall bei der Siegerehrung und im Fahrerlager nicht. Vincon: „Ich habe den Platz für Leon geholt.“ Der befreundete IDM Superbiker war am Freitag bei einem tragischen Unfall im freien Training ums Leben gekommen.

Was sonst noch aufgefallen ist: Alle der vier in der IDM Superbike vertretenen Marken platzierten mindestens einen Fahrer in den Top Ten. Und endlich schaffte es mit Max Schmidt (Hertrampf Mo Yamaha Racing Team) auch der jüngste Kandidat im ganzen Feld in diese Liga. Der 181 cm lange Wuppertaler ist 19 Jahre jung.

IDM Superbike, 1. Lauf:

1. Markus REITERBERGER (DEU), BMW
2. Dominik VINCON (DEU), BMW
3. Kamil KRZEMIEN (POL), BMW
4. Luca GRÜNWALD (DEU), Honda
5. Florian ALT (DEU), BMW
6. Bastien MACKELS (BEL), Kawasaki
7. Rob HARTOG (NLD), Yamaha
8. Ricardo BRINK (NLD), BMW
9. Pepijn BIJSTERBOSCH (NLD), BMW
10. Max SCHMIDT (DEU), Yamaha