Das war knapp. Florian hatte nur noch eine einzige Chance, vor dem vierfachen Meister Markus Reiterberger ins Ziel zu kommen. Er hat sie genutzt. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

Das war´s in der IDM-Königsklasse in der Saison 2022. Florian Alt machte sich und dem Wilbers-BMW-Team im letzten Superbike-Rennen des Jahres den großen Wunsch zur Wirklichkeit. Der 26-jährige M 1000 RR-Fahrer besiegte noch ein Mal den vierfachen Meister Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW), für den es zum Abschluss von allen Seiten richtig dick kam.

Nach dem Start vom Reverse Grid war Reiti schon nach der zweiten von 18 Runden hinter Alt, doch nur Sekunden später sah das Bild völlig anders aus. Reiterberger führte vor Kamil Krzemien (BCC-alpha-Van Zon-BMW) und Alt. Der Pole wuchs nach dem dritten Platz im ersten Rennen über sich hinaus. In der Pause hatten seine Ohren vom Telefonieren geglüht. Es schien so, als ob er in ganz Polen angerufen hatte. Und jetzt düpierte er im nächsten Überholmanöver sogar den großen Meister und eigenen Teamkollegen. Krzemien führte zum ersten Mal in seiner Karriere einen IDM-Lauf an!

Das ging nicht lange gut. Reiterberger und Alt machten kurzen Prozess, dann war Krzemien wieder von der Spitze weg. In der viertletzten Runde ging Alt zum ersten Mal in Führung. Das war seine Chance, Reiterberger in diesem Jahr auch endgültig noch einmal besiegen zu können. Es wurde verdammt eng. Die Sektorzeiten der beiden Rivalen rückten immer enger zusammen. Reiti wehrte sich mit aller Macht. Der Bayer kann eine Menge, der Nordrhein-Westfale aber auch. Am Ende waren es 1,111 Sekunden, die zwischen ihnen blieben. Alt hatte sein Vorhaben im letzten Rennen des Jahres in der Königsklasse in die Tat umgesetzt. Es war ihm anzusehen, wie es in ihm arbeitete. „Es war insgesamt ein emotionales Wochenende“, gab er zu Protokoll und erzählte: „In jeder Kurve waren andere Bedingungen. In den letzten vier Runden habe ich mir gesagt: das sind meine.“

Reiterberger war sich völlig im Klaren darüber gewesen, dass der Zweikampf zwischen ihm und Alt in Hockenheim seinen Höhepunkt erreichen würde. „Ich hatte einen super Start aus der dritten Reihe und konnte mich in den ersten Runden vorarbeiten. Alles, was dann kam, war ein Ritt auf Messers Schneide.“ Reiterberger und Alt waren während der ganzen Saison eine Klasse für sich gewesen.
Luca Grünwald (HRP Honda) war im Gegensatz zum ersten Rennen als Sieger über Kamil Krzemien hervorgegangen. „Es war ein schwieriges Rennen und teilweise grenzwertig mit dem Regen im hinteren Abschnitt. Aber es ist toll, noch so einen Abschluss zu haben.“ Während Grünwalds langer Verletzungspause hatte WM-Superbiker Leandro Mercado die Holzhauer-Honda bewegt und Podiumsplätze belegt. Nun hatte auch Grünwald gezeigt, wozu er im Stande ist.

Die Frage, wer als Dritter in der Gesamtwertung hinter Reiterberger und Alt in die Geschichte eingeht, ist nun auch geklärt. Es ist Yamaha-Fahrer Rob Hartog (Team SWPN), der dafür sorgt, dass neben BMW noch ein weiteres Fabrikat ganz vorn in der Tabelle steht.

IDM Superbike, Rennen 2:

1. Florian ALT (DEU), BMW
2. Markus REITERBERGER (DEU), BMW
3. Luca GRÜNWALD (DEU), Honda
4. Kamil KRZEMIEN (POL), BMW
5. Rob HARTOG (NLD), Yamaha
6. Dominik VINCON (DEU), BMW
7. Pepijn BIJSTERBOSCH (NLD), BMW
8. Bastien MACKELS (BEL), Kawasaki
9. Gabriel NODERER (DEU), BMW
10. Max SCHMIDT (DEU), Yamaha