Markus Reiterberger siegt vor Toni Finsterbusch und Leon Haslam, der Kawasaki den ersten Podiumsplatz in der Saison beschert. Text: Anke Wieczorek; Foto: Dino Eisele

Manche Fans gehen davon aus, dass ein Superbike-Vizeweltmeister von 2010 auch zwölf Jahre nach
dem großen Triumph einfach auf ein fremdes Motorrad steigt und auf Anhieb ein Rennen gewinnt.
Ganz so einfach ist das aber nicht, zumindest wenn es sich um einen Start in der IDM Superbike
handelt. Denn dort liegt die Messlatte bei den Spitzenfahrern verdammt hoch. Das bekam Leon
Haslam (Kawasaki Weber-Motos Racing) im zweiten Lauf von Most hautnah mit. Der 39-jährige Brite,
der derzeit um den Titel in der Britischen Superbike-Meisterschaft (BSB) kämpft, hatte aber gewusst,
auf welches Abenteuer er sich als Gastfahrer und als Vertretung für den verletzten Bastien Mackels
einlässt. Nach zwei Rennen und einem dritten Platz im zweiten Rennen auf der Weber-Kawasaki kann
er sich auch durchaus vorstellen, noch einmal wiederzukommen.

Der Auftritt von Leon Haslam war eine Wucht. Allein die Anwesenheit des prominenten Fahrers
verlieh den Rennen in der Königsklasse eine besondere Würze. Im zweiten Lauf stand er als Vierter
des ersten Rennens durch den Reverse Grid mit der ZX-10RR auf der Pole Position. Er übernahm nach
dem Start auch für mehrere Runden die Führung, dann kam Toni Finsterbusch (GERT56) angerauscht.
Teamchef Karsten Wolf bekam in der Box fast einen Herzkasper und schwelgte in Glückseligkeit. Und
als nächstes verteidigte Finsterbusch seine Position auch noch vor Markus Reiterberger (BCC-alpha-
Van Zon-BMW), der sich von der neunten Startposition aus langsam nach vorn gearbeitet hatte. Am
Ende musste sich der Leipziger zwar geschlagen geben und Reiti kassierte im sechsten Rennen des
Jahres den fünften Sieg, aber Finsterbusch hatte gezeigt, wozu auch er im Stande ist.

Reiterberger war hochzufrieden und meinte: „Eigentlich war der Plan, dass ich wie in Oschersleben in
der zweiten Kurve schon wieder ganz vorne bin, aber ich habe am Start die Kupplung ein bisschen zu
schnell aufgemacht und einen Riesen-Wheelie produziert. So hat es etwas länger gedauert.“ Der Sieg
kam diesmal nicht angeflogen, sondern kostete angesichts der Konkurrenz richtig Arbeit. Aber diese
wurde bravourös verrichtet und Reiti bewies wie schon so oft seine Extra-Klasse.

Leandro Mercado (Holzhauer Racing Promotion), der im ersten Lauf den ersehnten Podiumsplatz für
Honda geholt hatte, stürzte diesmal. Das gleiche Schicksal ereilte Ricardo Brink (RR Socia Racing
Team), der im ersten Rennen seine erste Top-Ten-Platzierung in diesem Jahr errungen hatte.

Und wo blieb Florian Alt? Der 26-jährige vom Wilbers-BMW-Racing-Team lief nicht zur gewohnten
Form auf und hatte sichtlich Mühe, den Anschluss nach vorne zu halten. Als Verursacher des wilden
Chatterings in den Linkskurven stellte sich später ein nicht komplett auf die Felge aufgezogener
Vorderradreifen heraus, was optisch ohne Beanspruchung nicht sichtbar ist, sich aber im Rennbetrieb
an der ungleichen Abnutzung schwer bemerkbar macht. Unter diesen Umständen war der vierte
Platz des Nümbrechters umso beachtlicher.

Vladimir Leonovs (Hertrampf MO Yamaha Racing Team) Fahrt endete vorzeitig durch die technische
Fahne mit dem orangen Punkt auf schwarzem Untergrund. Die Yamaha mit der Startnummer „65“
rauchte und wurde aus dem Verkehr gezogen. Durch eine vorherige Nummernverwechslung
erwischte es irrtümlich auch Björn Stuppi (Kiefer Racing) mit der „85“.

Was sonst noch aufgefallen ist: Marc-Reiner Schmidt, der aktuelle Supermoto-Weltmeister, hat
seinen zweiten Gasteinsatz in der IDM Superbike absolviert und auf dem 10. Platz beendet.

IDM Superbike, Ergebnis 2. Lauf

1. Markus REITERBERGER (DEU), BMW
2. Toni FINSTERBUSCH (DEU), BMW
3. Leon HASLAM (GBR), Kawasaki
4. Florian ALT (DEU), BMW
5. Jan MOHR (AUT), BMW
6. Julian PUFFE (DEU), BMW
7. Rob HARTOG (NLD), Yamaha
8. Philipp STEINMAYR (AUT), Yamaha
9. Daniel KARTHEININGER (DEU), Yamaha
10.Marc-Reiner SCHMIDT (DEU), BMW