Newcomer Michel-Caspar Wieth sorgte mit zwei Top-10-Plätzen in seinen ersten IDM Rennen am Lausitzring für Überraschung. Ein One-Hit-Wonder soll das aber nicht gewesen sein. Fotos: Dino Eisele, Text: Rowena Hinzmann

Einen Flickflack auf den Asphalt zu zaubern, ist für Michel-Caspar Wieth kein Problem. Als Rookie in der IDM Supersport 300 auf Anhieb unter die Top 10 zu marschieren aber auch nicht. Für den 20-Jährigen aus Klein Nordende ist es die erste Saison in der IDM, in die er am Lausitzring unerwartet mit Rang 9 und 7 startete. Überhaupt ist das Thema Motorradrennsport für Wieth eigentlich noch ziemliches Neuland.

Sein erstes Mal auf der Rennstrecke erlebte der Yamaha-Pilot vor gerade einmal 2,5 Jahren. Der erste Kuss zwischen Knie und Asphalt folgte ein halbes Jahr später. Das war 2019, gerade kurz vor der Pandemie. Von da an hatte der ehemalige langjährige Turner Blut geleckt, wie er sagt, und wollte mehr. „Über eine Anzeige im Internet bin ich auf den Yamaha R3 bLU cRU Cup aufmerksam geworden und wollte unbedingt dran teilnehmen. Aber dann kam Corona und alles wurde abgesagt“, erzählt Wieht von seinen Anfängen.

Michel-Caspar Wieth zusammen mit Teamchef Jochen Kiefer.

Anstatt abzuwarten und Däumchen zu drehen, nutzte er die Zeit und bereitete sich mit Rennstreckentrainings und Pitbike-Fahren für seine erste Rennsaison 2021 vor, die er schließlich als Vierter in der Gesamtwertung erfolgreich beendete. „Mit dem Ergebnis habe ich im Traum nicht gerechnet“, blickt Wieth auf sein Debütjahr als Rennsportfahrer zurück. Als 11-Jähriger schenkte ihm sein Vater eine Motocrossmaschine, auf der er sechs Jahre lang am Gashahn zog. Nach einem schweren Sturz und etwas längerer Pause, nahm er an einem Kurventraining für Straßenmotorräder teil. Rückblickend war das der Grundstein für seinen Weg zum Rennsportfahrer.

Das Yamaha bLU cRU IDM by Kiefer Racing-Team erkannte sein Potenzial und nahm ihn für die Saison 2022 unter seine Obhut, um ihn in der IDM Supersport 300 an den Start gehen zu lassen. Nach einem verkorksten ersten Qualifying beim Saisonstart am Lausitzring, bei dem er sich zu viel Druck gemacht hatte, wie Michel-Casper Wieth selbst sagt, startete er von Rang 17. Da war mehr drin, dachte er sich, und erkämpfte sich schließlich Platz 9 und 7. „Ich war erstaunt, dass ich in den Rennen auf Anhieb so gut mitfahren konnte“, so der sympathische Schüler, der gerade seinen Realschulabschluss nachholt und anschließend eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer anpeilt. „Autos und Motorräder fand ich schon immer cool“, begründet Wieth den Berufswunsch.

Das zweite Rennwochenende in Oschersleben verlief hingegen durchwachsener. Als Elfter überquerte er im ersten Rennen die Ziellinie, der zweite Lauf endete vorzeitig nach einem Sturz. „Das war schade aber halb so wild“, so Wieth, der sich im erfahrenen Kiefer Racing Team sehr gut aufgehoben und gefördert fühlt. Mit Sandro Cortese als Teamkoordinator im Background strebt der 20-Jährige am Ende seiner ersten IDM-Saison einen Top-10-Platz in der Gesamtwertung an.

Die nötigen Punkte dafür kann Wieth am kommenden Wochenende weitersammeln, wenn die IDM im tschechischen Most gastiert. Das erste Rennen der IDM Supersport 300 findet am Samstagnachmittag, das Zweite am Sonntag statt. Alle Läufe werden live und kostenlos im Live-Stream übertragen. Und wer weiß, sollte Wieth es dieses Mal sogar bis aufs Podest schaffen, krönt er diesen Erfolg ja vielleicht mit einem Flickfack…