In Florian Alt hat Markus Reiterberger seinen Bezwinger gefunden. Im ersten Superbike-Rennen spielte sich an der Spitze endlich der erwartete Krimi ab. Text: Anke Wieczorek; Foto Dino Eisele

Es war ein Kampf auf Messers Schneide. Die Top-Stars der Königsklasse machten den Kampf unter sich aus: Florian Alt auf der Wilbers-BMW mit dem weichen Reifen von Pirelli am Hinterrad gegen Markus Reiterberger (BCC-alpha-Van Zon-BMW) mit dem harten Reifen. Nach der entscheidenden Attacke in der letzten Runde bescherte Alt seinem Team, allen voran Chef Benny Wilbers einen Tag nach dessen 70. Geburtstag, den so ersehnten ersten Saisonsieg.

Alt gegen Reiterberger, schon allein für diesen Kampf in der Königsklasse lohnte sich am Sonntag das Aufstehen. Die beiden BMW-Fahrer waren pro Runde eine Sekunde schneller als der Rest. Alt münzte die Pole Position in die Führung um, doch zur Rennhälfte erhöhte Reiterberger dahinter den Druck auf den Spitzenreiter. Aus der 14. Runde kam plötzlich Reiterberger als Erster zurück.
Jetzt wiederum ließ Alt im Schlepptau nicht locker, um sich die Chance auf den Sieg zu bewahren. Und er zog am Ende das durch, was Reiterberger an der gleichen Stelle vorher immer probiert hatte. Er schnappte sich den Bayern ausgangs des Shell-„S“. Alt schrie seine Emotionen aus sich heraus und klopfte sich auf die Brust. Was für eine Erlösung. Der Sieg nach dem rabenschwarzen Saisonauftakt tat so gut.

„Der Sieg war schwer nötig“, waren seine ersten Worte, „aber es war relativ schwierig zu gewinnen, denn der Reifen hat am Ende abgebaut, bei Markus aber auch, wie ich gesehen habe. Als er mich zuvor überholt hatte, habe ich gemerkt, dass er nicht schneller fahren kann als ich. In der letzten Runde habe ich gedacht, dass ich irgendwie wieder an ihm vorbeikommen muss. Und es hat geklappt.“

Reiterberger, der vom Auftakt einen Doppelsieg mitgenommen hatte, sprach von einem unterhaltsamen Rennen und kommentierte: „Fürs zweite Rennen müssen wir uns etwas überlegen, damit uns zum Schluss nicht der Dampf ausgeht.“

Vladimir Leonov (Hertrampf Yamaha Mo Racing Team) brachte die erhoffte Würze ins Spiel und vereitelte auf der YZF-R1M ein komplettes BMW-Podium. Der 35-Jährige bewegte sich bei seinem ersten Auftritt in diesem Jahr sofort auf Podiumskurs. Dabei war sein Team letzte Nacht noch richtig Stress geraten. Im gestrigen Qualifying hatten ein defektes Thermostat und die daraus resultierende Zerstörung der Zylinderkopfdichtung den Antrieb der Yamaha lahmgelegt. In einer Nacht- und Nebelaktion reisten Teile der Hertrampf-Crew von Oschersleben aus nach Hause ins niedersächsische Nordhorn, um einen neuen Motor und Ersatzteile für den angeschlagenen Antrieb zu holen. Stunden vergingen, aber als heute am frühen Morgen gegen halb fünf die Sonne aufging, war das Herz der Yamaha YZF-R1M wieder repariert. Leonov bedankte sich entsprechend.

Respekt vor der Leistung des Niederländers Rob Hartog. Der Aufsteiger aus der IDM Supersport wurde in seinem erst dritten Rennen in der Königsklasse Fünfter. Für seinen Landsmann Ricardo Brink (RR Socia Racing) mit dem markanten leuchtenden Oranje-Helm setzte sich der harzige Saisonbeginn fort: Sturz in der sechsten Runde. Julian Puffe (GERT56), Daniel Kartheininger (Hertrampf Yamaha Mo Racing Team) und Björn Stuppi (Kiefer Racing) erreichten das Ziel ebenfalls nicht.

IDM Superbike, Rennen 1:

1. Florian ALT (DEU), BMW
2. Markus REITERBERGER (DEU), BMW
3. Vladimir LEONOV (VAE), Yamaha
4. Toni FINSTERBUSCH (DEU), BMW
5. Rob HARTOG (NLD), Yamaha
6. Jan MOHR (AUT), BMW
7. Pepijn BIJSTERBOSCH (NLD), BMW
8. Kamil KRZEMIEN (POL), BMW
9. Gabriel NODERER (DEU), BMW
10. Hikari OKUBO (JAP), Honda