Der Kampf um die IDM-Krone ist entfacht. Das erste Superbike-Rennen lief für manche Teilnehmer anders als gedacht, aber das ist Racing. Text: Anke Wieczorek; Foto: Markus Perpeet

Markus Reiterberger (BCC-alpha Racing-Van Zon-BMW) hat das erste Saisonrennen in der IDM Superbike auf dem Lausitzring gewonnen. Den heißen Atem von Florian Alt (Wilbers-BMW-Racing) spürte er nicht lange. Über 16 Sekunden Vorsprung trennten ihn nach 16 Runden vom Feld.

Es sollte das Duell des Tages werden zwischen Markus Reiterberger und Florian Alt. Während Reiterberger in der Startaufstellung bereitwillig über seine Reifenwahl plauderte, hielt sich Alt völlig bedeckt. Das war zum Schluss auch egal. Anderthalb Runden dauerte es bis zum großen Drama. Alt verschwand in einer Rauchwolke, verließ die Strecke und haute verzweifelt auf den Tank. Vergebens. Die erhoffte Punkteausbeute löste sich in der Wiese am Streckenrand auf. Dabei hatte im Vorfeld alles gepasst. Es gibt 2022 keine Überschneidungen der IDM mit der Langstrecken-WM. Für Florian Alt waren endlich die Weichen für die Fahrt zum ersten IDM-Titel gestellt. Doch der Rennsport geht seine eigenen Wege. Was kann Alt heute noch retten? Die Problematik ist, dass Alt wegen des Reverse-Grids im zweiten Rennen des Tages von weit hinten losfahren müssen wird.

Der bereits dreifache IDM-Champion Reiterberger hat ihn trotzdem auf dem Zettel. „Wenn er wieder einsatzbereit ist, muss ich gewappnet sein.“ Mit seinem riesigen Abstand zu den weiteren Fahrern hatte Reiti gerechnet.
Sein Teamkollege Jan Mohr wurde Zweiter und war minutenlang völlig perplex. „Es ist unglaublich. Seit fünf Jahren bin ich in der Klasse, aber heute zum ersten Mal auf dem Podium. Okay, die Sache mit Flo war ein Geschenk. Aber ich nehme es gerne an.“

Für die GERT56-Truppe endete der erste Lauf ebenfalls auf dem Podium. Julian Puffe schniefte und hatte schwer mit den Tränen zu kämpfen. Er konnte seine Emotionen nicht zurückhalten. „Es war ein so langer Weg bis hierher. Ich habe letztes Jahr nicht einen einzigen Podestplatz errungen und hatte in so vielen Rennen so viel Pech. Aber mein Teamchef Karsten Wolf hat immer an mich geglaubt“, war der 26-jährige Schleizer aufgewühlt.
Teamkollege Toni Finsterbusch stürzte in der sechsten Runde, konnte weiterfahren, kam aber nicht mehr in die Punkteränge.

Außerordentlich turbulent ging es in der Mitte zu. Ein Japaner, ein IDM-Comeback-Fahrer, zwei Aufsteiger aus der Supersport-Klasse und ein Pro Superstock-Gewinner entschädigten für alles, was vorne an hautnahen Zweikämpfen fehlte. Die Truppe mit Hikari Okubo, Daniel Kartheininger, Rob Hartog, Sandro Wagner und Come Geenen war äußerst unterhaltsam.

Im Reverse-Grid heute Nachmittag wird Bastien Mackels (Kawasaki Weber-Motos) als Vierter des ersten Rennens auf der Pole stehen. Er setzte sich am Ende noch mit 0,192 Sekunden Vorsprung gegen den unermüdlichen Pepijn Bijsterbosch durch.

Alle in der IDM Superbike beteiligten Motorradmarken platzierten mindestens einen Fahrer in den Top Ten. Yamahas schnellster Mann war Rob Hartog (Team SWPN). Honda sammelte Punkte mit Hikari Okuba, der auf der Holzhauer CBR 1000 RR-R sein erstes Superbike-Rennen überhaupt bestritt.

Ergebnisse IDM Superbike, 1. Lauf:

1. Markus REITERBERGER (DEU), BMW
2. Jan MOHR (AUT), BMW
3. Julian PUFFE (DEU), BMW
4. Bastien MACKELS (BEL), Kawasaki
5. Pepijn BIJSTERBOSCH (NLD), BMW
6. Rob HARTOG (NLD), Yamaha
7. Daniel KARTHEININGER (DEU), Yamaha
8. Kamil KRZEMIEN (POL), BMW
9. Sandro WAGNER (DEU), BMW
10. Hikari OKUBO (JPN), Honda