Lucy Glöckner muss gesund werden und Julian Puffe soll den Job auf der Strecke übernehmen - in Oschersleben ganz alleine. Im Team GERT56 herrscht momentan viel Trubel. Text: Anke Wieczorek; Foto: Dino Eisele

Lucy Glöckner wird aus gesundheitlichen Gründen keine komplette IDM Superbike 1000-Saison bestreiten, sondern sich auf ausgewählte Wildcard-Rennen konzentrieren. Das Team GERT56 nennt auf Glöckners Wunsch Julian Puffe als permanenten Einsatzfahrer nach.

Lucy Glöckner verzichtete aufgrund gesundheitlicher Probleme auf ihr Ticket in Deutschlands höchster Motorradrennsport-Klasse. In den kommenden Wochen stehen für die 30-jährige Sächsin zahlreiche Gesundheitschecks auf dem Programm. Glöckner informierte bereits letzte Woche ihr Team. Ihren Stammplatz auf der BMW M 1000 RR wird nicht zuletzt auf ihren eigenen Wunsch Julian Puffe einnehmen, der zunächst als Test- und Entwicklungsfahrer bei GERT56 eingeplant war und nachträglich ins Team kam. Sein Einsatz als Stammfahrer war eigentlich erst für 2022 geplant. Nun erwartet den IDM Superbike 1000-Vize von 2019 überraschend vorzeitig das volle Programm und er wird zum Saisonauftakt in Oschersleben am kommenden Wochenende sogar die Hauptrolle bei GERT56 spielen. Toni Finsterbusch wird wie Glöckner nicht anreisen, da ihn sein verletzter Knöchel immer noch beim Fahren beeinträchtigt.

Lucy Glöckner hat sich ihren Rückzug als permanente Fahrerin für 2021 nicht leicht gemacht. „In den letzten Wochen habe ich beim Training einen Leistungseinbruch bemerkt, den sich bislang weder ich, noch meine Ärzte erklären können. Das geht von Atemnot über Krämpfe und Herzstolpern bis hin zu den berühmten ‚Sternen sehen‘. Ich möchte aber auf der Strecke weder eine Gefahr für mich, andere, noch mein Team sein. Ich habe lange mit unserem Teamchef Karsten Wolf gesprochen und bei ihm stehen Mensch und Gesundheit ebenfalls an erster Stelle. Er hat mir gesagt, dass mein Motorrad immer bereit stehen wird, sobald wir mit meinen Ärzten die Ursachen für all das herausgefunden haben. Dieser Rückhalt gibt mir unheimlich Kraft und nimmt auch gleichzeitig mein schlechtes Gewissen und mir auch den Druck, den ich mir selbst dennoch gemacht habe.“

Für Karsten Wolf war die Nachricht zunächst ein Schock. Doch der Teamchef sagt: „An erster Stelle haben bei GERT56 schon immer der Mensch und die Familie eines jeden Einzelnen gestanden. Wir drücken Lucy die Daumen und hoffen, sie bald wieder in unseren Reihen sehen zu dürfen. Ein großer Dank geht an dieser Stelle an das Motorrad action team, das sich in den letzten Tagen sehr für ins Zeug gelegt hat, weil sich hier alles überschlagen hat. Das war echt top.“