In der IDM Supersport 600 hat sich die Dramaturgie zugespitzt. Der Doppelsieg von Martin Vugrinec macht den Titelkampf noch heißer. Text: Anke Wieczorek; Foto: Dino Eisele/IDM 2020

Ein entfesselter Martin Vugrinec (Unior Racing Team, Yamaha), ein verärgerter Luca Grünwald (Kawasaki Schnock Team Motorex) und ein enttäuschter Max Enderlein (Freudenberg SMC WorldSSP Academy, Yamaha) – das Podium nach dem zweiten IDM Supersport 600-Rennen auf dem Lausitzring war im Strudel der Gefühle.

Vugrinec, der am Samstag seinen ersten IDM-Sieg geholt hatte, war gleich in der ersten Kurve an die Spitze gestürmt. Grünwald versuchte ihm die Position streitig zu machen. Enderlein sah sich das Duell als Dritter von hinten an.

Victor Steeman (Yamaha), Sander Kroeze (Yamaha), Glenn van Straalen (Kawasaki) und Marc Buchner (Yamaha) bildeten die nächste Gruppe. Buchner pflügte in der sechsten Runde komplett durch die niederländische Gesellschaft und schaffte den Anschluss ans Spitzen-Trio. Dort spielte sich eine Ping-Pong-Runde ab. Enderlein, Vugrinec und Grünwald gingen abwechselnd in Führung. Am Schluss trieb Enderlein in der Kurve zu weit nach außen. Vugrinec nutzte die Chance, überholte und siegte. Auch Grünwald gelang ein erfolgreiches Manöver. Somit war Enderlein zum Schluss Dritter.

Vugrinec strahlte übers ganze Gesicht. Nach den misslungenen Auftaktrennen in Assen, wo der Kroate nur neun Punkte holte und aufgrund der kurzen Saison sofort aus dem Kreis der Titelfavoriten fiel, hatte er eine fulminante Aufholjagd gestartet, die er mit zwei Siegen auf dem Lausitzring krönte. Er dachte im ersten Moment des Doppelsieges überhaupt nicht an die Gesamtwertung, sondern jubelte über sein Einzelergebnis. Erst kurz später realisierte der Yamaha-Pilot, dass er jetzt sogar wieder ein heißer Anwärter auf den Titelgewinn ist. Grünwald führt die Wertung mit 101 Meisterschaftszählern an. Vugrinec ist Zweiter mit 99 Punkten.
Grünwald war vom Rennergebnis nicht ganz so begeistert. „Meine Kawasaki hat ein paar Schwächen. Wenn Vugrinec das Gas aufdreht, kann ich ihm auf der Geraden nicht folgen. Das weiß ich und das weiß auch das Team.“ Was den Waldkraiburger ärgerte, war vielmehr die Fahrweise von Vugrinec. „Er macht das Gas zu, da fährst Du ihm bald drauf, dann dreht er wieder auf.“ Spielt der Kroate mit den Gegnern? „Ich weiß es nicht, aber das geht mir langsam auf den Keks“, wurde Grünwald deutlich.

Auch mit dem dritten Platz im Rennen und mit 97 IDM-Punkten wahrt Enderlein noch immer seine Chance auf die Titelverteidigung beim großen IDM-Finale in zwei Wochen in Hockenheim. Technisch war der Sachse auf dem Lausitzring an die Grenzen gekommen. „Mein Chefmechaniker liegt krank im Bett. In Sachen Fahrwerkseinstellung habe ich das gemerkt.“

Für Marc Buchner war der vierte Platz ein persönlicher Höhepunkt, denn der Vizemeister von 2019 hatte bisher nur Pech. „Wir haben die Gabeleinstellung im Vergleich zum gestrigen Lauf härter gemacht. Ich hatte zwar einen schlechten Start, aber dann ging es nur noch vorwärts.“ Buchner fuhr im Rennen fünf Zehntelsekunden schneller als im Qualifying.
Kein Happyend gab es für Kroeze und van Straalen. Sie kollidierten miteinander und stürzten.

Jan-Ole Jähnig

In der IDM Superstock hat sich der Titelkampf ebenfalls dramatisch zugespitzt. Paul Fröde, der einzige Honda-Fahrer im Feld, führt die Gesamtwertung mit 98 Punkten an. Im Windschatten liegen Tim Holtz (Yamaha) und Jan-Ole Jähnig (Yamaha) mit je 95 Zählern.

Jähnig war auf dem Sachsenring als Gaststarter aufgetaucht, ist jetzt aber doch als permanenter Fahrer gemeldet. Der bisherige Supersport 300-WM-Pilot hat drei der vier Rennen gewonnen, an denen er jetzt teilgenommen hat.

Ergebnis Rennen 2, IDM Supersport 600

1. Martin Vugrinec (CRO), Yamaha, 14 Runden in 24:13,295 min
2. Luca Grünwald (D), Kawasaki, +0,273 sec
3. Max Enderlein (D), Yamaha, +0,777 sec

Ergebnis Rennen 2, IDM Superstock 600

1. Jan-Ole Jähnig (D), Yamaha, 14 Runden in 24:37,863 min
2. Paul Fröde (D), Honda, +13,585 sec
3. Per Behmer (D), Yamaha, +14,213 sec