Rennen fahren heißt nicht nur Gas geben, sondern auch den Kopf einschalten, besonders wenn die Saison nur vier Veranstaltungen hat. IDM Supersport 600-Champion Max Enderlein hilft dem Teamnachwuchs auf die Sprünge. Text: Anke Wieczorek, Fotos: Team Freudenberg SMC WorldSSP Academy (5), Dino Eisele (1)

Als ob der Master-Absolvent noch nicht genug um die Ohren hat. Aber Max Enderlein, derzeit mitten in den Prüfungen seiner BWL-Karriere steckend, braucht das. Der 23-jährige Hohenstein-Ernstthaler nimmt nicht nur die erneute Titelverteidigung in der IDM Supersport 600 in Angriff, sondern agiert jetzt zusätzlich als Riding Coach der Nachwuchsfahrer im Team Freudenberg-SMC WorldSSP Academy.

In der IDM Supersport 600 wird Enderlein eine nagelneue Yamaha YZF-R6 fahren. Besonders viele Kilometer hat er noch nicht abgespult, aber vor der Haustür auf dem Sachsenring schon alles gegeben. „Technische Probleme und ein Sturz am ersten Tag“, klärt er auf und fügt hinzu: „Am zweiten Tag eine 1:26,5 min-Rundenzeit mit gebrauchten Reifen.“ Zum Vergleich: die Spitze in der Moto2-Weltmeisterschaft fährt auf dem Sachsenring nur drei Sekunden schneller. Das große internationale Parkett bleibt weiterhin das Ziel des zweifachen Titelträgers.

Enderlein ist selig über die Rückkehr der IDM auf den Kurs: „Endlich wieder ein Heimrennen.“ Der sechsfache Laufsieger von 2019 und Sportler des Jahres des ADAC Sachsen wird dann nicht im Fahrerlager, sondern ausnahmsweise zu Hause übernachten. Wenn nicht mit Fahrrad unterwegs, könnte er von dort auch zu Fuß an die Rennstrecke laufen.
Seine Konkurrenz in der Mission Titelverteidigung? „Marc Buchner, Sander Kroeze, Luca Grünwald, Daniel Rubin. Generell muss ich erstmal den Saisonauftakt in Assen überstehen, denn die Holländer waren dort alle schon trainieren. Danach sehen wir weiter.“

Innerhalb der teaminternen Freudenberg-Nachwuchs-Academy hilft Enderlein den IDM Supersport 300-Piloten Netzker, Lennox Lehmann und Lennard Göttlich auf dem Weg nach vorn. Der 18-jährige Netzker, der als 300er-Rookie im vergangenen Jahr und gleichzeitig ersten Motorsportsaison 13 Punkte holte, konnte seine persönliche Bestzeit auf dem Lausitzring dank Enderlein um zwei Sekunden verbessern. Enderlein hatte sich an den Testtagen ebenfalls auf eine KTM RC 390R geschwungen.

Bei den ADAC Junior Cup-Aufsteigern Lehmann und Göttlich geht es auch längst voll zur Sache. „Wir haben schon am Setup meiner KTM gefeilt“, freut sich der 14-jährige Cup-Gewinner Lennox Lehmann aus Dresden. „Mein Ziel ist ein Platz unter den Top 5 der IDM, auch wenn es aktuell schwer zu sagen ist!“ Lehmanns Überlegung kommen nicht von ungefähr. Er durfte in der Freudenberg-Crew beim Hockenheimfinale 2019 bereits einen Gaststart in der IDM-Nachwuchsklasse Supersport 300 absolvieren und fuhr in beiden Rennen in die Top Ten.
Dort will der 15-jährige Rookie Lennard Göttlich, der aus Eibau in Ostsachsen stammt, nach einer Eingewöhnungsphase ebenfalls landen. Enderlein hat vollstes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit der Jungs, „und vor allem in ihre Intelligenz. Sie wird wegen der Intensität an den wenigen Wochenenden eine fundamentale Rolle spielen. Vom Speed her mussten sie sich auch vor unseren Weltmeisterschaftskollegen aus dem Team nicht verstecken. Aber Speed ist in der Supersport 300-Klasse ja nicht alles. Wir werden sehen, wie sich die Drei in Assen Mitte August durchsetzen werden.“