Tim Reeves ist eine lebende Legende: siebenfacher Weltmeister, sechsfacher Britischer Meister, TT-Winner und jetzt mit Mark Wilkes im Boot auch IDM-Champion. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

Das Sidecar-Rennen in Assen war ein Spektakel vom Feinsten. Insgesamt 20 Teams waren am Start. Für Tim Reeves/Mark Wilkes (Adolf RS F1 Yamaha) ging es um den vorzeitigen Titelgewinn in der 600 ccm-Klasse. Der siebenfache Weltmeister startete von der Pole Position und einem Wagnis: Der Brite hatte trotz der teilweise nassen Strecke schon Slicks aufgezogen. Sein Startplatz war ausgerechnet auf einer feuchten Stelle. Ein Drama schien sich anzubahnen. Reeves blieb fast stehen als die Ampel auf „Grün“ sprang. Die Räder fanden keinen Grip. Der Superstar wurde durchgereicht. Dafür zogen Josef Sattler/Uwe Neubert (Adolf RS F1 Kawasaki) voll durch und setzten sich an die Spitze.

Aber was war das? Aus der ersten Runde kam Reeves als Führender zurück – und das mit Vorsprung! Der 47-Jährige hatte alles auf eine Karte gesetzt und sich ohne mit der Wimper zu zucken nach vorn gearbeitet. In der zweiten Runde war die Reihenfolge der ersten Vier wie im Training: Reeves/Wilkes vor Markus Schlosser/Marcel Fries (LCR F1 Yamaha), Sattler/Neubert, Bennie Streuer/Kevin Rousseau (LCR F1 Kawasaki). Die 600er-Teams hingen zusammen wie Kletten. Aber Streuer hatte an diesem Wochenende kein Glück: Ausfall in der siebten von neun Runden.

Schlosser pirschte sich derweil immer näher an Reeves heran und ging mit dem hauchdünnen Rückstand von nur noch 0,388 Sekunden in die letzte Runde. Doch es klappte nicht, Reeves wenigstens ein Mal in diesem Jahr zu schlagen. Reeves/Wilkes haben bisher alle IDM-Rennen in der Saison 2019 gewonnen und sind seit heute auch vorzeitig die neuen IDM-Champions. Nun wird gefeiert.

Schlosser war leicht angefressen, dass er die Briten nicht mehr überholen konnte. So groß wie heute war die Chance noch nie gewesen. „Zwei Runden mehr und wir hätten Reeves gehabt“, war sich Beifahrer Marcel Fries ziemlich sicher. Aber auch bei Sattler war nicht alles glatt gelaufen. Am Gespann war die Plattform abgebrochen, auf der Uwe Neubert kauert. „Dadurch hat es den Kotflügel ans Rad gedrückt und wir haben immer gebremst“, berichtet Neubert und erklärt: „Deshalb hat es auch so gequalmt bei uns.“ Sattler merkte es, weil plötzlich der Lenker wackelte.

In der 1000 ccm-Wertung dominierten John Smits/Gunter Verbrugge (RCN F1 Yamaha) vor Scott Lawrie/Emanuelle Clement (LCR F1 Suzuki) sowie Andres Nussbaum/Manuel Hirschi (LCR F1 Suzuki). Das war nicht nach dem Geschmack von Mike Roscher/Anna Burkard (LCR F1 BMW). Die deutsch-schweizerische Kombination führt das Gesamt-Championat an, wurde aber nur auf Platz sechs abgewinkt. Das kostete wichtige Punkte. Nussbaum/Hirschi sind nun wieder auf neun Zähler herangerückt und liegen im Titelkampf sozusagen im Windschatten. Das Finale in Hockenheim Ende September wird eine brenzlige Angelegenheit.