IDM
Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft
IDM SBK: Stuppis Wille liegt nach Unfall bei 110 Prozent

IDM SBK: Stuppis Wille liegt nach Unfall bei 110 Prozent

Er will nicht mit einem Sturz abtreten. Björn Stuppi versucht, seine Karriere in der IDM Superbike um ein Jahr zu verlängern. Text: Anke Wieczorek, Fotos: Dino Eisele

Eigentlich hätte 2023 seine letzte Saison werden sollen. Diesmal hatte es Björn Stuppi wirklich ernst gemeint, denn 20 Jahre Rennsport waren seiner Meinung nach genug. Trotzdem kämpft er jetzt für seine Rückkehr in die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM). Es ist eine Frage der Ehre. Denn mit dem in Österreich geschehenen schweren Sturz, verbunden mit einer monatelangen Pause, will er nicht abtreten. Das Ende seiner Superbike-Karriere sollte nicht der Weg ins Krankenhaus, sondern eine Zieldurchfahrt auf der Rennstrecke sein. Allerdings gestaltet sich die Rückkehr alles andere als einfach. Im März geht der BMW-Fahrer von RR SOCIA RACING testen.

Zur Erinnerung: Es geschah auf dem Red Bull Ring am 6. August 2023 in der dritten Runde des ersten Superbike-Rennens. Stuppis angesetztes Überholmanöver auf der Vordermann ging in die Hose. Er musste in den Kies. Die rechte Seite des Reifens war noch verschmutzt, als er das Malheur auf der Strecke korrigieren wollte. Das Ergebnis: Sturz, Medical Center, Krankenhaus. Stuppis „Queenie“ war nach dem Highsider direkt auf ihm gelandet. Den rechten Fuß erwischte es beim Aufprall schlimm. Mehrere Knochen wurden zertrümmert.

„Der Arzt in Österreich meinte, ich solle die Frakturen langsam heilen lassen. Es gebe ein minimales Restrisiko, dass eine minimale Einschränkung bleiben könnte. Die Ärzte in Deutschland sagten, ich müsse zwingend operiert werden. Eine Woche später, am Montag, lag ich unter Messer“, erzählt Stuppi. Jetzt ist eine Platte im Fuß drin und auch Schrauben. „Das ist ziemlich tricky“, so der 38-Jährige, „weil eine Schraube zu lang ist. Sie ist im Mittelfuß und kommt unten aus dem Knochen wieder raus, wo sie ins Bindegewebe drückt.“ Laut Stuppi ist das ein Gefühl, als ob man über einen Ast läuft oder das Motorrad auf den Hauptständer stellt. So ein undefinierbarer Druck.

Durch seine Verletzung konnte sich Stuppi zu Hause im bayrischen Kühbach daran gewöhnen wie es ohne Rennsport ist. Unausstehlich sei er gewesen, gibt er selbst zu. Wenigstens zur Physiotherapie konnte er gehen. Mit seinem Team blieb er auch immer in Kontakt. Das vorzeitige „Aus“ hat an Stuppi genagt. Er sagt: „Ich will meine Zeit nicht mit einem Sturz beenden. Mein Wille zurückzukommen, beträgt 110 Prozent.“ Aber er weiß auch: Ich muss erst schauen, ob und wie ich überhaupt wieder auf dem Motorrad klar komme. Ich habe seit August nicht mehr drauf gesessen. Wenn ich jetzt passable Zeiten fahre, und davon gehe ich stark aus, läuft die Planung für die IDM Superbike weiter auf Hochtouren. Im März fahre ich mit Luca Grünwald anderthalb Wochen nach Italien zum Trainieren. Wir nehmen alles mit, was zwei Räder hat. Motorrad, Mountainbike, Rennrad, Pitbike.“

Björn Stuppi, der nie ein Spitzenkandidat war, aber jedes Jahr mit eisernem Willen auch für den kleineren Erfolg an den Start ging, ist nach vielen Jahren längst zur Institution in der IDM Superbike geworden. Jeder einzelne Punkt fühlt sich für ihn an wie ein Sieg. Er will noch einige davon holen.