Nach 15 WM-Jahren kehrt Marcel Schrötter in die deutsche Rennszene zurück. Der 33-jährige Bayer wird auf BMW im Team von GERT56 um den Titel in der EURO MOTO Superbike-Klasse kämpfen. Seinen wohl größten Triumph hat Schrötter wohl schon am 3. Januar gefeiert. Einen Tag nach seinem eigenen Geburtstag sind er und seine Freundin stolze Eltern einer Tochter, die Maja heißt, geworden. Wir haben exklusiv mit ihm gesprochen.
Nach 15 Jahren hast Du keinen WM-Startplatz mehr erhalten. Was war der Grund?
Keinen Startplatz mehr erhalten, so würde ich das gar nicht sagen. Ich hätte noch mehrere Möglichkeiten gehabt. Aber unter den gegebenen Bedingungen sehe ich es einfach nicht ein weiterzumachen. Ich bin an einem Punkt in meiner Karriere und in einem Alter, wo es auch finanziell weitergehen muss. Ich hätte alles in der Hand gehabt, um eine gute Saison zu machen. Aber das Niveau der Supersport-WM hat in den letzten drei Jahren extrem angezogen. Es gibt mehr Fahrer auf extrem hohem sportlichen Level. Nicht so wie in den vergangenen Jahren, dass ein, zwei gute dabei waren und der Rest war einfach normal. Ich sage jetzt einfach mal so, ohne das abwertend zu meinen. Mittlerweile sind halt echt viele Ex-Moto2-Fahrer am Start. Mindestens 10 bis 15 Jungs sind verdammt schnell. Das Niveau der Fahrer hat enorm angezogen, das der Teams aber nicht. Motorradfahren ist meine größte Leidenschaft, aber ich muss damit auch mein Geld verdienen. Und da ist auch die Supersport-WM ein sehr, sehr, sehr schwieriges Pflaster.
Auch wenn man wie Du im Jahr 2019 drei Podiumsplätze und drei Pole Position in der Moto2 zu bieten hatte?
Wenn man aus der Moto2 kommt, ist das immer ein großer Pluspunkt. Ich habe jetzt drei Jahre lang Geld verdient. Aber dann kommt eben so eine Saison wie im letzten Jahr und das in meinem Alter, da musste ich umso mehr abliefern. Und das war nicht der Fall.
Wo lag das Problem?
mit. Es gibt es extreme Schwankungen zwischen guten Teams und schlechten Teams. Ich war teilweise schockiert zu sehen, dass es auf WM-Niveau Teams gibt, in denen irgendein Kumpel oder „Spezi“ was macht, der ein bisschen Bock auf das Ganze hat, ein bisschen Kohle hat oder wie auch immer. Und das funktioniert einfach nicht.
Wie war es 2025 in Deinem Jahr auf der Ducati Panigale V2 bei Wepol?
Wir hatten alle Voraussetzungen erfolgreich zu sein, aber sie wurden nicht genutzt aus Gründen, die ich nicht näher beschreiben will. Und deswegen hat es leider nicht für mehr gereicht.
Was war deine aufregendste Zeit in deiner ganzen WM-Laufbahn?
Ich glaube, es waren die ersten WM-Jahre, wenn man als junger Mensch mit 16, 17, 18, 19 Jahren um die Welt reisen darf und alles zum ersten Mal sieht. Das weiß ich sehr zu schätzen. Aber auch die Rennen auf dem Sachsenring, vor allem 2019 mein Podiumsplatz in der Moto2. Es gab ja mehrere Rennen, in denen ich ums Podium gekämpft habe. 2022 habe ich es wegen eines Schaltfehlers in der letzten Kurve verpasst. Ich habe immer vor den Fans abgeliefert, was ging. Manchmal war ich der einzige deutsche Fahrer überhaupt, dem sie anfeuern konnten. So ein Gefühl bekommt man nirgendwo anders. Das ist schon was ganz Besonderes und wir wissen, wofür wir das alles machen. Für mich war aber auch ein Highlight, sechs Jahre im Intact GP-Team fahren zu dürfen. Das war wie in einer Familie zu sein. Über die Jahre ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Ich fühle mich bis heute als ein Teil des Teams.

Kannst Du Dich noch an die Anfänge Deiner Karriere erinnern, wie Dich Toni Mang, Sepp Schlögl und Adi Stadler angeschoben haben? Haben Dir solche Hintermänner später manchmal gefehlt?
Daran kann ich mich sogar sehr gut erinnern. Sie konnten aus wenig viel machen. Die Leute hinter mir waren mit den super Kontakten das Beste, was man zusammen mit Honda haben konnte. Wir hatten wenig, was Manpower anbelangt, das Budget war auch nicht das größte, aber wir hatten den gewissen Support. Was mir fehlt, sind Leute, die einfach gut sind. Gerade in der Supersport-WM war das jetzt sehr, sehr schade. Es sind alles gute Leute, nette Leute, aber so wie damals und jetzt im Grand Prix gearbeitet wurde und wird, wie auf Details geachtet wird, die Performance, auf viele Kleinigkeiten, das ist anders. Klar, der Sepp kommt aus einer anderen Zeit. Wir sind die ganze IDM-Zeit und sogar das komplette erste WM-Jahr ohne Datarecording gefahren. Ich war ein Rookie in der WM und ohne Datarecording war es schon extrem schwierig, wenn man in Malaysia auf einen über sechs Kilometer langen Kurs kommt, der sauschwierig zu fahren ist, und hat dann null Daten, die man sich anschauen kann von anderen Fahrern. Aber auf der anderen Seite zeigt es halt auch, dass man erfolgreiche zusammenarbeiten kann, wenn die Leute einfach gut sind. Sowas fehlt mir heute.
Jetzt bist du wieder da. Wie sehr bist du eigentlich noch in der Szene drin?
Ehrlicherweise gar nicht so sehr. Nach dem WM-Einstieg war ich vielleicht noch drei Mal auf einer IDM-Veranstaltung, sogar mit einem Gaststart. Über YouTube habe ich die Serie verfolgt, aber hundertprozentig drin im Thema bin ich nicht.
Wie ist der Kontakt zu Team GERT56 entstanden?
Wir haben die gleiche Physiotherapeutin und GERT56 stand zuerst gar nicht auf dem Zettel. Es gab Gespräche mit Herstellern und auch über eine BSB-Saison. Aber das hätte alles nicht wirklich richtig funktioniert. Und dann tauchte über die Physio-Alex die GERT56-Telefonnummer auf. Ich wusste, dass das Team bei den vorderen mit dabei ist und habe Teamchef Karsten Wolf angerufen. Weil ich ja auch gerne BMW fahren wollte. Weil ich ja auch in der Langstrecken-WM für ERC Endurance auf BMW fahre. Diese Station war zuerst fix. Weil sie mir die finanzielle Sicherheit in diesem Jahr gibt. Ich bin froh, vom EWC-Team die Freigabe bekommen zu haben, auch in der EURO MOTO zu starten. Das war mir wichtig. Vier EWC-Rennen in einem Jahr sind sehr wenig und ich mag nach wie vor Rennen zu fahren. Und ich habe auch richtig Bock, in der neuen EURO MOTO Superbike dabei zu sein.

Wie groß sind deine Ambitionen, in der EURO MOTO Superbike jetzt was zu reißen? Letztes Jahr ist Lukas Tulovic als Ex-Moto2-Fahrer in die höchste Klasse gekommen und hat auf Anhieb den Titel geholt.
Mir ist völlig klar, dass die Erwartungshaltung sehr hoch ist. Ich war lange genug WM-Fahrer, da muss es einfach das Ziel sein, um den nationalen Titel zu kämpfen. Das heißt nicht, dass es einfach wird. Klar, Tulo kam und hat gewonnen, vielleicht mit einem kleinen Materialvorteil. Aber egal. Definitiv ist die Erwartung an mich da, von außen, von mir natürlich auch. Aber ich will nicht mit Sprüchen klopfen, sondern mir ist bewusst, was ich zu tun habe. Und ja, ich muss es einfach mit Leistung zeigen und überzeugen. Wichtig ist Spaß zu haben und in einem bekannten Umfeld zu fahren. Und vor vielen deutschen Fans, die mich seit Jahren unterstützen. Mein Crew Chief Ronny Schlieder hat mir zudem gesagt, dass wir vom neuen Partner Öhlins wir über topaktuelles Material bekommen werden und das Motorrad durch die BMW-Kit-Elektronik MRCK bestens aufgestellt sein soll.
Du warst mal zweifacher Meister im Ski Freestyle und Eishockey-Spieler. Was ist daraus geworden?
Ich spiele zumindest noch Eishockey. Wir haben eine eigene Hobby-Mannschaft, die „Lechroaner“. Es gibt auch eine Meisterschaft mit Punkterunde, Playoffs, Halbfinale, Finale. Das ist immer richtig cool. Da spiele ich eigentlich schon immer mit. Als ich in die Motorrad-WM aufgestiegen bin, habe ich im zweiten Jahr aufgehört, so intensiv zu spielen. Das ist ja auch eine Verpflichtung. Es war zuviel, das ganze Jahr unterwegs zu sein, ohne eine einzige Pause. Eishockey mit die Tagen Training pro Woche und dann zwei Spiele. Das Ganze bis Ostern. Dann hat die WM-Saison angefangen. Irgendwann habe ich kapiert, dass ich mich auf eins konzentrieren muss und den Winter für die Vorbereitung brauche – und zum Runterkommen.

