Im Dezember hatte Karsten Wolf noch die Gewinner der IDM-Klassen auf der INTERMOT in Köln gefeiert. Und er freute sich, dass die neue EURO MOTO-Serie noch internationaler werden soll. Einen Monat später ist der Chef des GERT56-Teams tot. „KW“, wie er genannt wurde, verstarb am 17. Januar 2026 nach kurzer schwerer Krankheit. Er wurde 61 Jahre alt. EURO MOTO-Autorin Anke Wieczorek gedenkt ihm im Namen des gesamten Event-Teams.
Lieber KW,
Dein Tod hat uns alle komplett überrascht und aus den Socken gehauen. Du hast den Mund immer mit am weitesten aufgerissen, wenn es etwas zu sagen gab. Du warst mit Abstand der mitteilungsfreudigste Teamchef im Fahrerlager, hast ohne Punkt und Komma geredet. Allein Deine letzte Pressemitteilung war fünf A4-Seiten lang. Du hattest mich per WhatsApp zum Glück vorgewarnt. Es fühlt sich ganz fremd an, dass all diese Momente jetzt Erinnerungen sind.
Deine Leidenschaft für den Rennsport war phänomenal. Man konnte mit Dir über alles diskutieren und man musste es auch. Manchmal hättest Du die Regeln gerne verändert. Ging aber nicht. Aber Du hast als gewichtige Institution wenigstens geradlinig Deine Meinung gesagt. Wenn Du Dich getroffen gefühlt hast, konntest Du nachtragend sein wie ein Elefant. Aber irgendwann war es auch wieder gut. So warst Du.
Du mochtest den Frieden in Deinem BMW-Team. Das Gefühl, eine Familie zu sein, das war Dir wichtig. Wenn ich bei Dir in der GERT56-Box war, habe ich immer etwas angeboten bekommen und ein Stuhl zum Sitzen war auch da. Du hast freiheraus mit mir geredet, weil wir uns gegenseitig aufeinander verlassen konnten. Vielleicht war es auch eine gute Basis, dass wir ursprünglich aus dem gleichen Ort stammen. Da weiß man, wie der andere tickt. In jeder Hinsicht.
Als ich Dich in Pirna im Team-Stützpunkt besucht habe, hast Du mir voller Stolz jedes Motorrad gezeigt. Ich war schwer beeindruckt, wie man als hauptberuflicher Vertriebsmensch nebenbei so ein Projekt auf die Beine stellen kann. Was Du in privater Initiative aufgebaut hast, ist ein Lebenswerk. In Dir haben so viel Begeisterung und Liebe zum Rennsport gesteckt. Das war ein Feuer, welches das ganze Team zusammengehalten hat.
KW, Du bist und warst eine Persönlichkeit, die Spuren hinterlassen hat. Allein schon, wenn ich an den Langstrecken-Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans und beim Bol d’Or denke. Da hast Du Dich unsterblich gemacht. Und wie genial ist es, dass Du in unserer neuen EURO MOTO den Deal mit Marcel Schrötter als Fahrer eingefädelt hast. Deine Krebserkrankung hat Dich nicht daran gehindert, in kürzester Zeit dafür zu sorgen, dass das Superbike-Team auch ohne Dich weitergeführt wird. Deine Rennsport-Leidenschaft hat selbst in den letzten Tagen nicht abgenommen und Du hast keinen Gang zurückgeschaltet. So kennen wir Dich und so werden wir Dich in Erinnerung behalten. Du hast Dein ganz eigenes Kapitel im Buch des Lebens geschrieben, das bleibt.
Das Mitgefühl des EURO MOTO-Teams gilt in den schweren Stunden des Abschieds der Ehefrau und der Tochter von Karsten „KW“ Wolf, den Angehörigen und Freunden. Und ich persönlich verspreche, dass ich nochmal richtig am Gas ziehen werde, wenn ich bei Dir zu Hause oder auf dem Feistenberg vorbei fahre.
Deine Anke, Bert, Normann, Nadine, Alexandra, Dino, Michel, Rowena, Colin, Stephan, Tommi, Eddie, Lukas, Danijel, Iris, Marcus, Karsten, Stefan




