IDM
Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft
SBK: „Die EURO MOTO ist eine geile Serie mit Kämpfen“

SBK: „Die EURO MOTO ist eine geile Serie mit Kämpfen“

Markus Reiterberger fährt 2026 in der neuen EURO MOTO Superbike für das BMW-Team von Werner Daemen. Text: Anke Wieczorek; Fotos: BMW Motorrad Motorsport

Markus Reiterberger ist vierfacher IDM Superbike-Champion. Er ist in die Weltmeisterschaft aufgestiegen, hat die Konkurrenz in Asien in Grund und Boden gefahren und kehrt jetzt doch wieder zu den Wurzeln zurück. Der 31-jährige Bayer aus Obing, den alle „Reiti“ nennen, startet im BMW-Team von Werner Daemen in der Klasse EURO MOTO Superbike, dem europaweit aufgewerteten IDM-Nachfolger. Im Interview erklärt er seine Motivation und was ihn neben der Strecke noch antreibt.

Sie haben vier Superbike-Titel in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft gewonnen. Was treibt Sie noch an? Müssen Sie etwas beweisen?
Neben meinen Langstrecken-Einsätzen in der EWC war ich letztes Jahr auch Superbike-WM-Testfahrer bei BMW für Toprak Razgatlioglu und Michael van der Mark. Das war ein sehr spannender, anspruchsvoller Job. Aber ich muss ehrlich sagen, dass auch ich selbst auch noch Rennen fahren kann und will. Bezüglich der EURO MOTO ist Teamchef Werner Daemen auf mich zugekommen. Ich hatte die Serie verfolgt und gesehen, wie überlegen Lukas Tulovic auf der Ducati war und die BMW´s etwas ins Straucheln geraten waren. Da habe ich mir gedacht, es ist eine Aufgabe für mich, das wieder in Ordnung zu bringen.

Reiti und BMW sind wie Topf und Deckel. Warum haben Sie nie einen Markenwechsel in Erwägung gezogen, um sich neu beweisen zu können?
Die Frage bekomme ich öfter. Die Antwort ist relativ einfach. Ich hatte mehrmals die Möglichkeit zu wechseln und war auch mehrmals kurz davor. Aber was mich immer wieder bei BMW gehalten hat, war das Werk selber, aber auch das Drumherum. Mein ganzes Umfeld, mein ganzer Rennsport hat sich immer um BMW, um Alpha Racing und um die Zusammenarbeit mit Werner Daemen gedreht. Das hätte ich bei einem Markenwechsel alles verloren. Mir ist bewusst, dass ich nur so stark bin, weil ich diese Leute um mich habe. Es hat mir immer Spaß mit ihnen gemacht und meiner Meinung nach ist das Rennfahren ein Teamsport. Zweimal habe ich das Team gewechselt. Das war in der Superbike-WM und ich habe richtig schlechte Erfahrungen gemacht. Da habe ich mir geschworen, dass ich aus Werners Team nicht mehr woandershin wechsle, wenn ich mich nicht wirklich schlecht fühle. Ich stand erst kürzlich wieder vor der Entscheidung, denn ich hatte ein recht gutes Angebot als Superbike-Testfahrer von einem anderen Hersteller. Doch dann haben BMW, Werner Daemen und ich ein Paket für die Langstrecken-WM wie auch für die EURO MOTO geschnürt.

Lukas Tulovic wird den Superbike-Titel in der EURO MOTO auf Ducati verteidigen wollen. Haben Sie beobachtet, an welchen Stellen Sie ihn schlagen können?
Boah, das ist schwer zu sagen. Ich war nie vor Ort, ich hab das nur online verfolgt. Mir ist aufgefallen, dass er saustark war und ich kenne auch die Aussagen von Konkurrenten. Das Paket war sehr gut und das Reglement kam der Ducati ein bisschen mehr entgegen als für die anderen Hersteller.

Was halten Sie von der Entwicklung der Serie in den letzten Jahren?
Die IDM und jetzige EURO MOTO ist auf einem richtig ansteigenden Level. Wenn wir schauen, wer dabei ist, dann sind da absolute Hochkaräter auf der Liste. Das ist nicht wie 2017 oder 2022, als ich ein oder zwei Gegner hatte. Das ist jetzt wieder vergleichbar mit 2014, 2015, wo wir gegen das Team von 3C-Carbon mit Xavier Forés, Lorenzo Lanzi und Max Neukirchner auf WM-Niveau gefahren sind. Das ist jetzt wieder eine richtig geile Meisterschaft, wo man sich richtig bekämpfen kann. Viele Leute denken zwar, ich mache einen Rückschritt, wenn ich in EURO MOTO antrete, aber das sehe ich nicht so. Es handelt sich um eine Europameisterschaft in extrem guter Verfassung.

„Ich stand erst kürzlich vor einem Markenwechsel, dann haben mir BMW und Werner Daemen ein gutes Paket geschnürt“

In der Superbike-WM waren Sie mäßig erfolgreich unterwegs. Haben Sie die Ergebnisse abgehakt?
Es kommt immer mal wieder hoch. 2016 war die Blütezeit in meiner Karriere, nachdem ich 2015 so stark und schnell und fit wie noch nie war. Aber ich hatte keine Chancen in der WM. 2017 habe ich das mit einer größeren Besatzung wiederholt und bin mental in eine Sackgasse geraten. Das Fahren hat keinen Spaß mehr gemacht. Nach drei Rennen habe ich hingeschmissen und bin zurück in die IDM gegangen. Ehrlich: Da versuchst Du Dein ganzes Leben lang in die WM zu kommen und dann ist alles gar nicht so, wie Du dachtest. Du bist eine Nummer und musst mit dem zurechtkommen, was Du vorfindest. Es war nicht wie in der IDM oder in den früheren Teams, dass an jedem Detail gearbeitet wurde oder das Motorrad exakt an Dich angepasst wurde. Da gab es nur: Friss oder stirb. Das waren damals die Gegebenheiten. Es war auch nur ein klein gehaltenes Team mit wenig Werksunterstützung. Das hat dann halt einfach nicht gereicht.

In der Asia Road Racing Championship haben Sie die Gegner in Grund und Boden gefahren und wurden erfolgsbezogen entlohnt. Wie haben Sie das Geld angelegt?
Ich habe bis heute kein Geld erhalten. Was ich bis heute noch niemandem gesagt habe: Das Ganze ist zum Rechtsstreit eskaliert, den wir gewonnen haben. Ich bin damals dort gefahren, weil Alpha Racing in dem asiatischen Team involviert war. Ein starker und am besten deutschsprachiger Fahrer wurde gesucht. Ich bekam einen guten Vertrag. Preisgeldbasiert, also stark erfolgsabhängig, und mit wenig Grundgehalt. Mit der Unterstützung von BMW und Alpha Racing hat es immer gepasst, aber der Teamchef hat mich mit dem Preisgeld versetzt. Zeitweise war er verschollen, wurde aber aufgefunden und soll jetzt zahlen. Trotzdem wiege ich mich noch nicht in der sicheren Hoffnung, dass das was wird.

Wann Sind sie ihr letztes Superbike-Rennen gefahren?
Im September 2024 im ROKiT BMW Motorrad WorldSBK Team als Ersatz für den verletzten Toprak Razgatlioglu. Ich bin in Cremona auf den Plätzen 14 und 15 ins Ziel gekommen.

Ist es richtig, dass Sie das Tuning-Geschäft von Ralf Waldmann übernommen haben?
Als Nachbarn haben wir bei ihm und bei uns daheim zusammen viel an Kreidler-Motorrädern geschraubt. Als er gestorben ist, habe ich sein Sortiment zu meinem dazugenommen und mir damit ein zweites Standbein neben dem Rennsport aufgebaut. Für mich stand fest, das Ganze muss weiterleben. Seitdem mache ich Moped-Tuning, Restaurationen, Abstimmungen hauptsächlich von Zweitaktern, Kreidler und alles, was es so gibt. Oder Rennauspuffe, die auf dem Prüfstand abgenommen werden und TÜV- konform offiziell auf der Straße gefahren werden dürfen. Mit meinem Vater habe ich unseren alten Bauernhof renoviert und eine Werkstatt gebaut. Mein drittes Standbein ist das CNC-Fräsen. Die Maschine dafür habe ich mir vor ein paar Jahren gekauft. So sieht mein Aufgabengebiet neben dem Rennsport aus.

Könnten Sie davon Ihren Lebensunterhalt bestreiten?

Damit bin ich so ausgelastet, dass ich das alleine kaum bewältigen kann. Ja, ich könnte davon leben. Diese Zukunftssicherheit war mir auch wichtig. Ich bin nicht abhängig vom Rennsport. Weil meine Eltern immer gesagt haben, du machst einen Schulabschluss. Du machst eine Lehre. Das habe ich alles absolviert und bin Motorradmechaniker geworden. Ich wollte nicht der Rennfahrer sein, der da irgendwann mal im Arsch ist und ohne alles dasteht.

Sie haben seit zwei Jahren eine kleine Familie gegründet. Wie hat sich Ihr Leben nach der Geburt von Valentina verändert?
Ich musste mich zeitlich neu aufstellen. Weil ich mit zwei oder besser gesagt drei Berufen schon relativ eingespannt war. Dann kamen noch der Hofumbau und der Hausbau dazu. Ich versuche den Tag so einzuteilen, dass ich entweder Früh- oder Spätschicht mache oder beides. Weil ich selbstständig bin, lässt sich das ganz gut einteilen. Aber ich kann mich schwer von meinen zwei Mädels zu Hause trennen kann und setze alles daran, jeden Tag ein paar Stunden Zeit mit ihnen zu verbringen. Zum Abendessen will ich daheim sein und der Sonntag ist ein reiner Familientag geworden.

Hat Valentina ein Schaukelpferd oder ein Schaukelmotorrad?
Beides. Ich habe auch noch ein kleines Fahrerlagermoped. Auf den Tank habe ich ein Tankpad gebaut und drunter eine Fußrastenanlage. So fahren wir mit der 50er zu den Eseln und den Schafen bei uns am See, von denen sie so begeistert ist, kaufen uns ein Schoko-Eis und fahren wieder heim.