Erster Auftritt des neuen BMW-Projekts. IDM-Superbike 1000-Champion Ilya Mikhalchik , Kenny Foray und Julian Puffe sind die Auserwählten. Text: Anke Wieczorek; Fotos: BMW Motorrad Motorsport, Dino Eisele

Werner Daemen schlägt die Hände vors Gesicht und schüttelt mit dem Kopf. „Ein Endurance-WM-Rennen ist genauso aufwändig wie eine ganze IDM-Saison.“ Seit Wochen trägt der Belgier einen Rucksack mit Aktenordnern bei sich, in die er immer wieder hineinschaut. Auf den einzelnen Blättern sind technische Zeichnungen zu sehen. „Wir müssen alle Teile für das Langstrecken-Motorrad selbst anfertigen. Es entspricht nichts dem Standard.“
Es gibt tausende Dinge, die der Manager des neuen BMW Motorrad World Endurance Team zu erledigen hat – und an die er denken muss. Dabei hätte Daemen eher Grund zum Feiern. Vor anderthalb Wochen hat Ilya Mikhalchik in seinem alpha Racing-Van Zon-BMW-Team den Titel in der IDM Superbike 1000 verteidigt. Aber die Party muss warten bis zum Finale in Hockenheim.

Warum? Der Ukrainer und sein Teamkollege Julian Puffe sind Bestandteil des neuen BMW-Projekts und schon auf der nächsten Veranstaltung. Der erste Auftritt des neuen Endurance-Teams steht unmittelbar bevor: der 24-Stunden-Klassiker Bol d’Or im südfranzösischen Le Castellet. Es handelt sich um das Auftaktrennen der FIM Endurance World Championship (FIM EWC) 2019/2020.

Am Lenker der BMW S 1000 RR mit der Startnummer „37“ wechselt sich das Fahrertrio Kenny Foray (F), Julian Puffe (D) und Ilya Mikhalchik (UKR) ab. Als Ersatzfahrer fungiert Bastien Mackels (B). Bis auf Foray handelt es sich um Spitzenfahrer aus der IDM Superbike 1000. Die 83. Auflage des Bol d’Or startet am Samstag, 21. September, um 15 Uhr, und endet 24 Stunden später am Sonntagnachmittag.

Die #37 RR basiert auf der BMW aus der Superbike-WM. Sie ist für den Langstreckensport modifiziert. Dazu gehören unter anderem ein größerer Tank, eine Schnelltankanlage und Schnellwechsel-Einrichtungen für die Räder. Die Elektronik wurde an die Anforderungen in der FIM EWC angepasst, der Motor ist auf Langlebigkeit und effizienten Kraftstoffverbrauch ausgelegt. Warum die Startnummer „37“? Sie ist abgeleitet von der Firma EMC37, die seit Jahren im Langstreckensport aktiv ist und deren Inhaber Steven Casaer ist als Technical Coordinator des BMW Motorrad World Endurance Teams verpflichtet wurde.

„Unsere Debütsaison ist als Lehrjahr ausgelegt, in dem wir Schritt für Schritt weiter nach vorne kommen möchten,“ sagt Marc Bongers, BMW Motorrad Motorsport Direktor. Ilya Mikhalchik, der dessen Ziel ist, das ganze Wochenende über eine gute Pace zu fahren, gibt zu, den Einsatz auf dem Werksbike auch genießen zu wollen.