Meistermacher Werner Daemen schwelgt im Glück und der Chef vom konkurrierenden Wilbers-Team applaudiert anerkennend. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

Der zweite IDM Superbike 1000-Lauf im niederländischen Assen war beste Werbung für die höchste deutsche Serie im deutschen Motorradstraßenrennsport. Er zeigte, dass einfach alles möglich ist. Ilya Mikhalchik vom Team alpha Racing-Van Zon-BMW verteidigte in einem dramatischen Lauf seinen Titel in der IDM-Königsklasse.

Weil die Startaufstellung nach dem Reverse-Grid erfolgt, ging Mikhalchik als Sieger des ersten Rennens von der neunten Position ins Rennen. Von dort aus machte er alles wie immer, besser gesagt: nichts. Der 23-Jährige ging nämlich keinerlei Kompromisse ein. Er kassierte einen Gegner nach dem anderen. Nachdem er Bastien Mackels (Wilbers-BMW) geknackt hatte, machte er Jagd auf Alessandro Polita (Holzhauer Racing Promotion, Honda). Nach fünf Runden war Mikhalchik schon Dritter.

Es war klar: der Titelverteidiger wollte den Meisterschaftsgewinn mit einem Sieg erreichen. Mit der besten Rundenzeit von 1:39,873 Minuten machte Mikhalchik Nägel mit Köpfen. Kein anderer Fahrer kam unter die 1:40-Minuten-Marke. Dominic Schmitter (Yamaha) und Pepijn Bijsterbosch (Team Dutch Comfort Houses, BMW) versuchten an der Spitze noch lange, den BMW-Konkurrenten hinter sich zu halten – ohne Erfolg. Aber es ging verdammt eng zu bis zum Schluss.

Mikhalchik siegte mit einem Vorsprung von 0,264 Sekunden vor Schmitter und strahlte. „Nach den zwei technisch bedingten Ausfällen in der Saison tut es gut, jetzt vorzeitig den Titel verteidigt zu haben. In Hockenheim kann ich mit den Gegnern spielen.“ Mikhalchik schlüpfte ins Meister-T-Shirt und ließ sich bei der Podiumszeremonie mit der extralangen Version der ukrainischen Nationalhymne würdigen.

Schmitter, der den Lauf fast bis zum Schluss angeführt hatte, schwärmte: „Das war ein Mega-Rennen. Ich dachte nicht, dass so ein Erfolg für mich möglich ist. Vor einer Woche habe ich mir bei einem Highsider den Abduktorenmuskel gezerrt. Als ich von Mikhalchik überholt wurde, dachte ich kurz über einen Konterangriff nach, aber Ilya ist absolute Kampflinie gefahren. Das Sturzrisiko wäre absolut überhöht gewesen.“ Der Schweizer überlegt, beim IDM-Finale in Hockenheim erneut anzutreten.

Der Dritte Pepijn Bijsterbosch hatte zahlreiche Fans an der Strecke, die ihn feierten. „Es war ein tolles Rennen“, war auch er begeistert. „Als ich in Führung war, habe ich gepusht, um vielleicht wegfahren zu können. Aber ich konnte spüren, wie die Gegner näher kamen. Es war ein großartiger Kampf.“

Bastien Mackels beendete den Assen-Einsatz als Vierter. Der Belgier hatte Alessandro Polita direkt hinter sich. Mit Ricardo Brink (Team SWPN, Yamaha), Erwan Nigon (Kawasaki Weber-Motos Racing Team) und Marc Moser (MGM Racing Performance, Yamaha) folgte ein Fünfer-Trupp. Neunter wurde Julian Puffe (alpha Racing-Van Zon-BMW). Der 23-jährige Rennfahrer aus Schleiz musste am Wochenende einiges wegstecken: einen Sturz im freien Training, Schmerzen am ganzen Körper und den endgültigen Verlust der Titelchancen. Puffe hatte die Meisterschaft zur Saisonmitte angeführt.

Dass auch am Ende des Feldes um jeden einzelnen Platz gekämpft wird, zeigten Tim Eby (EGS Moto Racing, BMW), Björn Stuppi (Buchner Motorsport, BMW) und Tim Stadtmüller (JR-Racingteam, Suzuki). Sie kamen fast zeitgleich ins Ziel.