Ganz nah dran an die Fans kommt die IDM jetzt auch im tschechischen Most. Deutschlands höchste Serie im Motorradstraßenrennsport hat das volle Programm im Gepäck. Text: Anke Wieczorek; Fotos: MPS/Dino Eisele

Nur selten gibt es die Gelegenheit, die Fahrer und ihre Rennmotorräder in einer Serie so nah zu erleben wie bei der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM). Mit dem offenen Fahrerlager und den Autogrammstunden der IDM-Fahrer ist sie ein Garant für ein erlebnisreiches Fan-Wochenende. Vom 9. bis 11. August 2019 kehrt die IDM nach zwölf Jahren Abstinenz auf die Rennstrecke von Most zurück.

Das tschechische Autodrom in Nordböhmen liegt verkehrsgünstig in Mitteleuropa und ist von Deutschland, Österreich und auch Polen aus schnell zu erreichen. Die modernisierte Rennstrecke ist schnell und flüssig zu fahren. Zuletzt wurden 75 Prozent neu asphaltiert.

Es ist viel Zeit vergangen, seit die IDM das letzte Mal in Most (deutsch: Brüx) gastierte. Der IDM-Superbiker Christer Lindholm aus Schweden stellte einst den Rundenrekord auf der alten Streckenführung auf. Gelingt es einem Superbiker, auch beim Comeback der IDM eine neue Rekordmarke aufzustellen? Wer absolviert die neun Links- und zwölf Rechtskurven am schnellsten?

Die IDM befindet sich bereits in der zweiten Saisonhälfte. Vor ihrem Auftritt in Nordböhmen hat sich gerade der Kampf um den Titel in der IDM Superbike 1000 noch einmal zugespitzt. Die Entscheidung fällt zwischen zwei Fahrern, die zugleich Teamkollegen sind: Julian Puffe und Ilya Mikhalchik. Die beiden BMW-Piloten trennen nur neun Meisterschaftspunkte voneinander. Der Deutsche ist im Vorteil, doch der Ukrainer hat trotz zweier Ausfälle durch technische Defekte nie den Anschluss verloren und immer wieder aufgeholt. Falls Mikhalchik in Most zwei Rennen gewinnt, würde er Puffe an der Spitze ablösen und seiner Mission Titelverteidigung näher rücken. Soweit will es sein 23-jähriger Konkurrent aus der Rennstadt Schleiz aber nicht kommen lassen.

Während das deutsch-ukrainische Duo die Entscheidung an der Tabellenspitze derzeit allein unter sich ausmacht, geht es in der IDM-Königsklasse auch um die nachfolgenden Plätze hoch her. Der französische Langstrecken-Weltmeister Erwan Nigon (Kawasaki) hat 110 Punkte, der Niederländer Pepijn Bijsterbosch (BMW) verfügt über 106 Zähler und der Italiener Alessandro Polita (Honda) hat 99 Punkte in der Zwischenwertung des besonders spektakulären IDM-Championats.

In der IDM Superbike 1000 geht es um das Prestige der Marken. Die hochgezüchteten Motorräder mit 1000 cm³ Hubraum haben reichlich über 200 PS und sind über 300 km/h schnell. Fünf Hersteller beteiligen sich an Deutschlands höchster Klasse im Straßenrennsport: BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha. Jede Marke hat derzeit mindestens einen Fahrer in den Top Ten der Gesamtwertung platziert.

Für Max Enderlein und Stefan Ströhlein ist die Lage weitaus entspannter. Sie haben in der 600 ccm-Klasse einen so großen Vorsprung vor ihren Verfolgern, dass sie sich einen Ausfall leisten könnten, ohne die Führung in ihrer jeweiligen Wertung zu verlieren. Enderlein ist der Titelverteidiger in der IDM Supersport 600 und Ströhlein führt den DMSB Superstock 600-Cup an, in dem nicht so viel an den Motorrädern verändert werden darf. Beide Kategorien fahren im gleichen Feld, werden aber separat gewertet. Hinter den Spitzenreiten ist in der Top Ten reichlich Bewegung. Jedes Rennen kann für einen Positionswechsel in der Gesamtwertung sorgen. Interessant dabei ist, wie sich die beiden Kawasaki-Piloten Gabriel Noderer und Christoph Beinlich innerhalb der mächtigen Yamaha-Armada schlagen. Was möglich ist, zeigte Luca Grünwald zuletzt auf dem Schleizer Dreieck. Der lange verletzte Bayer gewann auf Kawasaki einen Lauf in der IDM Supersport 600. Um den Titel kann er auf Grund seiner unfreiwilligen Verletzungspause jedoch nicht mehr mitkämpfen.

Um jeden einzelnen Punkt und jeden einzelnen Zentimeter wird in der IDM Supersport 300 gekämpft. Die Nachwuchsklasse hat sich als heimlicher Star der IDM-Wochenenden herauskristallisiert, wenn es um Zweikämpfe und dramatische Zieleinläufe geht. Mit Angelo Licciardi führt ein Belgier die Wertung an, gefolgt vom Niederländer Rick Dunnik mit nur vier Punkten Rückstand. Bester Deutscher ist Troy Beinlich auf dem fünften Platz. Titelverteidiger Toni Erhard wird als Gesamt-Siebter notiert. Wenn der 18 Jahre alte Sachse seine Chancen wahren will, muss er jetzt siegen. In Most führt Erhards Weg auf die Siegerstraße auch über den hoch motivierten Lokalmatador David Kuban. Der 17-jährige KTM-Fahrer aus Brünn kommt mit dem Rückenwind seines Laufsiegs in Schleiz zum Rennen in seiner Heimat. Kuban, Zweiter im ADAC Junior Cup des Vorjahres, zählt zum erweiterten Kreis der Meisterschaftskandidaten in der IDM Supersport 300.

In der IDM Sidecar rollt fast die ganze Weltelite an den Start, angeführt vom siebenfachen Weltmeister Tim Reeves und seinem Beifahrer Mark Wilkes. Er hat bisher jedes Rennen in der Klasse bis 600 ccm gewonnen. Hinter ihm tummeln sich namhafte Konkurrenten wie Bennie Streuer/Kevin Rousseau sowie das deutsche Duo Josef Sattler/Uwe Neubert. In der IDM wird aber auch weiterhin an der Klasse bis 1000 ccm festgehalten. Kann der gebürtige Sachse Mike Roscher mit Anna Burkard im Boot in Most für einen Wechsel an der Tabellenspitze sorgen? Er hat nur sechs Punkte Rückstand zu Andres Nussbaum/Manuel Hirschi aus der Schweiz. Die Sidecars genießen im Osten traditionell Kultstatus. Zwei Siege wären für Roscher der Hauptgewinn.

Die Zuschauer erwarten tolle Tage in Most. Der ADAC Junior Cup, der BMW Motorrad BoxerCup sowie der Suzuki GSX-R 1000-Cup und der Twin Cup geben der Veranstaltung eine zusätzliche Würze. Am Freitag ist der Eintritt frei. Ein Samstagsticket kostet 19,00 Euro und das Sonntagsticket 25,00 Euro, Fahrerlagerbesuch inklusive. Das Kombiticket für das ganze Wochenende ist für 35,00 Euro erhältlich. Für Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre ist der Eintritt am gesamten Wochenende frei.