Die IDM auf dem Schleizer Dreieck war wieder eine große Sause. Die Mischung aus Rennen und Party ist prickelnd. 29.000 Fand reisten an. Text: Anke Wieczorek; MPS/Fotos: Dino Eisele

Die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) ist auf dem Schleizer Dreieck in die zweite Saisonhälfte gestartet. 29.000 Zuschauer feierten bei strahlendem Sonnenschein ihre Idole. Auf Deutschlands ältester Naturrennstrecke wurde hochkarätiger Rennsport in vier Prädikatsklassen und drei Cups geboten. Die von der Motor Presse Stuttgart als Veranstalter und Promoter durchgeführte IDM bleibt dennoch eine Serie zum Anfassen. Die Fans lieben es.

„Sie haben gejubelt und geklatscht, und dabei bin ich nicht der Lokalmatador“, war Ilya Mikhalchik (alpha Racing-Van Zon BMW) begeistert. Der IDM Superbike-Titelverteidiger ist ausgerechnet der Fahrer, der Lokalmatador Julian Puffe die momentane IDM-Führung in der Königsklasse entreißen will. Der Schleizer büßte auf der einzigartigen Rennstrecke in seiner Heimat zehn Punkte Vorsprung auf seinen Verfolger ein, der zugleich sein Teamkollege ist. Jetzt trennen die beiden nur noch neun Zähler.

Mikhalchik gewann die zwei ausgetragenen Rennen jeweils vor Puffe und tanzte mit dem Hopak wieder seinen ukrainischen Nationaltanz vor dem Publikum.

Die dritten Plätze teilten sich Jan Bühn (EGS Moto Racing) und Pepijn Bijsterbosch (Dutch Comfort Houses). Das ergab in beiden Fällen ein komplettes BMW-Podium. Die zum Saisonbeginn vermutete BMW-Übermacht hat sich aber nicht bestätigt. Fünf Marken sind in der IDM Superbike 1000 vertreten: BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha. Bis auf Honda hatte bisher jeder Hersteller mindestens einen Fahrer auf dem Podium, Kawasaki sogar ganz oben.

Bei Honda zahlt sich aber die Konstanz des Italieners Alessandro Polita (Holzhauer Racing Promotion) auf der CBR 1000 RR aus. Er ist Fünfter in der Gesamtwertung.

In der IDM Supersport 600 dominiert weiterhin der Hohenstein-Ernstthaler Max Enderlein auf Yamaha. Er hat bereits 49 Punkte Vorsprung auf seinen Markenkollegen Tom Toparis aus Australien. Den ersten Lauf in Schleiz konnte mit Luca Grünwald ein Kawasaki-Fahrer gewinnen. Der Bayer hat sich nach einer langen Verletzungspause an der Spitze einer IDM-Klasse zurückgemeldet. Als Titelkandidat kommt er wegen seines großen Punkterückstands aufgrund einer Verletzung jedoch nicht mehr in Frage.

In der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 baute Angelo Licciardi auf Kawasaki mit seinem dritten Saisonsieg zunächst die Führung in der Meisterschaft aus. Der 21-jährige Belgier profitierte bei seinem Laufsieg im ersten Rennen allerdings vom Sturzpech der WM-Piloten Jan-Ole Jähnig (Nobitz) und Victor Steeman (NL) auf KTM. Polesetter Jähnig rutschte ausgangs der Schikane das Hinterrad weg und Steeman konnte nicht mehr ausweichen. Licciardi gewann vor David Kuban (CZE) auf KTM und dem IDM-Zweiten Rick Dunnik (NL) auf Yamaha.
Noch dramatischer verlief das zweite Rennen der IDM Supersport 300. Mehrfach wechselte die Führung. Bis in die letzte Runde behaupteten sich Licciardi und Jähnig als Spitzentrio, konnten sich aber nicht vom Feld absetzen. In der letzten Runde spitzte sich der Kampf in der Sechsergruppe zu. In einer dramatischen Entscheidung in der letzten Schikane vor Start-und-Ziel sicherte sich David Kuban den Laufsieg vor Gaststarter Jeffrey Buis (NL) auf Yamaha und Pechvogel Jan-Ole Jähnig. Kuban schob sich mit seinem ersten IDM-Erfolg auf die dritte Position in der Meisterschaft vor.
Mit 20 Punkten für den zweiten Platz unter den IDM-Stammpiloten übernahm Colin Velthuizen (NL) von NUTEC-RT-Motorsports by SKM-Kawasaki die zweite Position in der IDM-Tabelle. Ihn trennen jetzt nur noch sechs Punkte von Angelo Licciardi, der im zweiten Lauf wegen einer Zeitstrafe auf den 16. Platz zurückfiel und nur drei Punkte verbuchen konnte. Somit führen jetzt zwei Kawasaki-Piloten die IDM-Nachwuchsklasse an.

Bei den IDM-Sidecars entschied der siebenfache Weltmeister Tim Reeves (GB) mit seiner Adolf RS-Yamaha beide Läufe in Schleiz für sich. Mit seinem Doppelerfolg bauten Reeves und sein Beifahrer Mark Wilkes die Führung in der Meisterschaft für die 600er-Gespanne weiter aus. In der Entscheidung der 1000er-Gespanne sorgten Mike Roscher (Großalmerode) und Beifahrerin Anna Burkard (CH) für eine Überraschung. In beiden Rennen auf dem Schleizer Dreieck fuhren sie mit der LCR-BMW den zweiten Platz in der Gesamtreihenfolge heraus und gewannen in ihrer separat gewerteten 1000 ccm-Klasse vor den Meisterschaftsführenden Andres Nussbaum/Manuel Hirschi (CH/CH) auf LCR-Suzuki. Roscher verkürzte den Rückstand im IDM-Championat auf sechs Punkte.

Im IDM-Fahrerlager präsentierten KTM, Honda, Suzuki und Kawasaki ihre neuesten Serienmodelle. Die Hersteller boten mit ihren Probefahrten auch abseits der Rennstrecke für die Besucher ein abwechslungsreiches Programm. Im Rahmenprogramm der IDM stehen auch die Autogrammstunden mit IDM-Fahrern für die populäre Fan-Nähe. Abends wurde hoch über dem dicht belagerten Campingplatz auf dem sogenannten Buchhübel eine große Party mit Fahrervorstellung gefeiert.

Markus Reiterberger, der die IDM Superbike 1000 zwei Mal gewonnen hat und jetzt die Superbike-WM bestreitet, ließ sich eine Reise nach Schleiz nicht nehmen, genauso wie die Supersport-WM-Piloten Thomas Gradinger und Christian Stange. Die IDM auf dem Schleizer Dreieck zeigte sich einmal mehr als Highlight im Kalender von Deutschlands ranghöchster Straßenserie.