Kein Mann der großen Worte, sondern der Taten: IDM-Superbiker Ilya Mikhalchik fuhr in Most auf der neuen BMW S 1000 RR die Trainingsbestzeit. Text: Anke Wieczorek, Fotos: Juri Mikhalchik

Drei Trainingstage im tschechischen Most brachten Julian Puffe wieder ins Grübeln. IDM Superbike 1000-Titelverteidiger Ilya Mikhalchik war erneut schneller als er – und das sogar eine halbe Sekunde. Drittschnellster Mann in Most wurde HRP-Honda-Mann Alessandro Polita.

Puffe könnte ausflippen: „Ilya knallt eine geile Qualirunde hin, ich kann dafür die konstanteren Runde fahren. Nur diese Hammerrunde, die ich unbedingt für die Startaufstellung brauche, kriege ich nicht hin.“ Daran hat auch das Training der beiden Teamkollegen von alpha Racing-Van Zon-BMW auf dem Reifen mordenden Kurs in Most nichts geändert.

Oberste Priorität war allerdings auch „sitzen bleiben“. „Ich habe das erste Mal auf meinem eigenen Motorrad gesessen“, erzählt Puffe. „Beim Rollout Im März hatte ich noch ein Testbike von alpha Racing, das in der ersten Ausbaustufe vorbereitet war. Jetzt habe ich wirklich meine eigene S 1000 RR. Sie ist auf dem allerneuesten Stand. Wir sollten aber möglichst nicht stürzen, denn wir haben noch nicht viele Ersatzteile auf Lager.“

Es wurde viel umgebaut, ausprobiert, die ersten Daten sind gesammelt. „Die Abstimmung von der alten S 1000 RR passt vorne und hinten nicht. Die Daten konnten wir komplett vergessen“, waren Puffe und Mikhalchik im Stress, ein Basis-Setup für die Neuausgabe zu finden.

„Irgendwie muss Ilya trotzdem zu schlagen sein“, hofft Puffe, irgendwo mehr rausholen zu können. „Bastien Mackels hat es letztes Jahr schließlich auch geschafft.“ Aber Puffe weiß auch: „Es wird immer schwieriger, denn für Ilya sind die Strecken nun nicht mehr neu.“

Im Vergleich zu seinem Verfolger aus dem thüringischen Schleiz hat der 22-jährige Ukrainer einen unbezahlbaren Vorteil. Er sitzt seit Jahren täglich auf dem Motorrad in der familiären Mikhalchik Academy in Kiev und ist dort auch Riding Coach. Und das alles direkt vor der Haustür.

„Ich glaube, dass ich mit Toni Finsterbusch, Max Enderlein und Jan-Ole Jähnig auch eine spitzenmäßige Trainingsgruppe habe, in der jeder der Beste sein will, aber mehr als zwei Mal pro Woche kriegen wir das gar nicht hin“, berichtet Puffe, der das Messer zwischen den Zähnen hat. Er bleibt dran.