Die IDM Supersport 300 und der Yamaha bLU cRU R3 Cup haben gerufen, Julia Hämmer hat es gehört. Der Reiz: die Kosten in der Nachwuchsklasse sind überschaubar. Text: Anke Wieczorek, Fotos: Julia Hämmer, privat

Ihr Vater war ein Rocker, Vollblut-Musiker, Biker aus Leidenschaft und der Gründer von Schwabenleder. Nachwuchs Julia Hämmer hat sich für 2019 in die IDM Supersport 300 und den darin integrierten Yamaha bLU cRU R3 Cup eingeschrieben. Claus Hämmer, der 2014 verstorben ist, wäre stolz auf seine Tochter gewesen, hätte er das erleben dürfen.

Der Tod des Vaters wirbelte in der Firma im schwäbischen Winterbach alles durcheinander. Wir sollte es weitergehen mit seinem Lebenswerk? Er hatte Schwabenleder aufgebaut und zu dem gemacht, was es bis heute ist: Der beliebteste Lederbekleidungshersteller für Motorradfahrer in Deutschland. Claus Hämmers Kinder, die Zwillinge Dennis und Julia, nahmen das Erbe an und führen Schwabenleder erfolgreich fort. Anders als ihr Vater, aber ganz in seinem Sinne.

Julia Hämmer hatte bis dahin eigentlich Profisportlerin werden wollen und liebäugelte sogar mit einem Sportstudium. Doch als ihr Vater noch keine Woche tot war, meldete sie sich für eine Lehre als Maßschneiderin an. Heute ist sie für wunderschöne Maßkombis oder Taschen, die sie aus alten Lederanzügen schneidert, verantwortlich. Ihr Bruder leitet die Geschäfte im Betrieb.

Und auch wenn sie keine Profisportlerin geworden ist – im Fahrerlager ist Julia Hämmer bekannt wie ein bunter Hund. Der 27-jährige blonde Wirbelwind mischt die Szene auf. Denn statt hauptberuflich dreht sie in der Freizeit am Kabel. Ein weiteres Kennzeichen der Lady in Pink. Julia „Jule“ Hämmer nimmt nur den Zeigefinger zum Bremsen. Im vergangenen Jahr wurde sie Dritte im DMSB Langstrecken Cup, nun folgt der Einstieg in die IDM Supersport und den darin integrierten Yamaha bLU cRU R3 Cup. „Obwohl die R3 nur 43 PS hat, macht das Motorrad mega Spaß“, ist die Schwäbin begeistert und trainiert eisern.

Und was sagt Bruder Dennis dazu? „Ihr Kampfgeist ist enorm. Vor allem steht sie nach einem Sturz wieder auf und fährt sofort die gleichen Rundenzeiten wie zuvor.“ Und meint weiter: „Als Schwabe ist es mir ganz Recht, dass sie auf einer Yamaha R3 anritt, denn die Ersatzteile sind erschwinglicher als in anderen Serien.“ Der männliche Zwillings-Part steht voll hinter seiner Schwester, „Hauptsache, sie ist dienstags wieder in der Firma.“

Im Rahmen der Nachwuchsförderung hat sich Yamaha Motor Deutschland entschieden, zehn Cup-Teilnehmern ein unschlagbares Angebot zu machen. Für 5.695,00 Euro erhält der Teilnehmer eine 2018er R3 inklusive Racing-Kit. Hinzu kommen lediglich noch die Nenngebühren und die laufenden Kosten. Es gilt das Prinzip „First come, first serve“.