Letzte Ausfahrt Hockenheim: In den vier IDM-Prädikatsklassen steht noch kein einziger Meister fest. Im badischen Motodrom steppt der Bär. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

Der Countdown läuft. Vom 28. bis 30. September 2018 findet in Hockenheim das Finale zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) statt. Es sind zwar kühlere Außentemperaturen angesagt, aber im Motodrom brennt noch einmal die Luft. In vier Prädikatsklassen werden jeweils zwei Rennen ausgetragen. In keiner von ihnen wurde vorzeitig der Titel vergeben. Das gab es eine gefühlte Ewigkeit nicht. Die Motor Presse Stuttgart hat als Promotor alle Register gezogen, um den Saisonabschluss zu einem Riesenspektakel auf und neben der Strecke werden zu lassen.

Öffentliche Pressekonferenzen, Autogrammstunden, Pitwalk und die Race-Party mit Live-Musik am Samstag auf dem Boxendach heizen die Stimmung an. Und bei Probefahrten mit den aktuellen Modellen aus den Paletten von BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha kommen interessierte Biker auch so richtig auf den Geschmack. Die IDM lebt in all ihren Facetten und bietet den Fans ein Non-Stop-Programm. Das Spannendste aber ist: Wer wird Meister in den Klassen Superbike 1000, Supersport 600, Supersport 300 und Sidecar? Alle Entscheidungen fallen an diesem Wochenende.

In der IDM Superbike 1000 brennt die Luft. In Deutschlands höchster Klasse im Motorradstraßenrennsport sind die fünf Marken BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha mit hochgezüchteten, über 200 PS starken Motorrädern vertreten. Hier geht es um viel Prestige. Dass der Titel am Ende der Saison an einen BMW-Fahrer geht, steht zwar bereits fest. Die Frage ist nur: an welchen? Zwei Fahrer haben noch Chancen: Ilya Mikhalchik, Ukrainer, 22 Jahre, vom Team alpha Racing-Van Zon-BMW und Bastien Mackels, Belgier, 33 Jahre, von Wilbers-BMW. Der Nachwuchsfahrer ist mit 31 Punkten Vorsprung in der Gesamtwertung klar im Vorteil. Mackels erhielt zuletzt in Assen eine Zeitstrafe wegen Frühstarts, die ihn empfindlich zurückwarf. Mikhalchik wiederum hatte bei der IDM in Zolder gepatzt. Was passiert in Hockenheim? Eins steht fest: Mackels wird seine Chancen wahren, bis die schwarz-weiß-karierte Flagge zum letzten Mal fällt. Und es liegt nicht an den beiden Titelfavoriten allein, wie die Saison 2018 in der Top-Klasse endet.

Wird Julian Puffe vielleicht zum Zünglein an der Waage im Titelkampf? Der 22-Jährige aus der Rennstadt Schleiz hat auf der S 1000 RR nichts zu verlieren. Er steht bereits als Gesamt-Dritter in der Meisterschaft fest, als Krönung der Saison fehlt ihm aber noch ein Sieg. Auf den Plätzen in der Gesamtwertung hinter ihm könnten sich die Ereignisse auch noch überschlagen. Die Abstände zwischen Dominic Schmitter (Suzuki), Stefan Kerschbaumer (Yamaha), Pepijn Bijsterbosch (BMW), Jan Halbich (Kawasaki) und Toni Finsterbusch (Suzuki) sind äußerst gering.

In der IDM Supersport 600 kann der Führende Max Enderlein von Glück reden. Der Sachse musste wegen eines Schlüsselbeinbruchs in Assen eine Nullrunde wegstecken. Er befürchtete, dass während seiner Abwesenheit Yamaha-Konkurrent Marc Buchner schwer aufholen würde. Stattdessen gab es mit Daniel Rubin einen absoluten Überraschungssieger, der gleich zweimal gewann und damit sogar Buchner vom zweiten Tabellenplatz verdrängte. Der angeschlagene Enderlein wird jetzt in Hockenheim wieder fahren und hat noch ein Polster von zwölf Punkten. Reicht das am Ende für den IDM-Titel?

Noch enger geht es in der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 zu. Beim IDM-Wochenende in Assen vor zwei Wochen übernahm Toni Erhard erstmals die Führung in der Meisterschaft. Er gewann beide Läufe und überholte Victor Steeman ausgerechnet bei dessen Heimrennen. Erhard, das 17-jährige Talent des Kiefer Racing Teams, startet mit zehn Punkten Vorsprung ins entscheidende Wochenende. Das Einstiegsalter der jungen Wilden liegt bei 15 Jahren. In der kleinsten IDM-Klasse ist 2018 erstmals auch KTM ein Partner.

In der IDM Sidecar mussten die Titelverteidiger Bennie Streuer / Gerard Daalhuizen die Führung kampflos an Josef Sattler / Uwe Neubert abgeben. Streuers Sponsoren bestanden darauf, dass er nicht bei der IDM in Assen, sondern am gleichzeitig stattfindenden WM-Lauf in Rijeka teilnahm. Ist da noch etwas zu retten?

Der Superstock 600-Cup, der Twin Cup 700 sowie der Suzuki GSX-R 1000-Cup machen den IDM-Zirkus komplett. Zum Freitagstraining sind alle Zuschauer eingeladen kostenfrei vorbeizuschauen. Ein Samstags-Ticket gibt es ab 19,00 Euro. Der Eintritt für das ganze Wochenende kostet 35,00 Euro. Die Preise gelten für Zuschauer ab 18 Jahren, darunter ist der Eintritt frei.