Das war alles andere als langweilig. Auf dem Lausitzring gab es Triumphzüge, Niederlagen und völlig neue Konstellationen in Teams und Tabellen. Text: Anke Wieczorek; Fotos: Dino Eisele

Wetterkapriolen, neue Teamkonstellationen und die Fans auf den Tribünen sorgten für eine Extra-Portion Würze bei den Rennen zur Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) auf dem Lausitzring. In fünf Klassen wurden jeweils zwei Rennen ausgetragen, und die Karten zwei Events vor dem Finale neu gemischt. Die Motor Presse Stuttgart als Promotor hatte eine anziehende Mischung an Action auf und neben der Rennstrecke gemixt.

In der Top-Klasse IDM Superbike 1000 ist der Kampf um den Titel wieder völlig offen. Nach der Pole Position von Ilya Mikhalchik (alpha racing-Van Zon-BMW) deutete zwar alles darauf hin, dass der Ukrainer auch in der Lausitz überlegen sein würde. Aber der Sieg seines größten Konkurrenten Bastien Mackels (Wilbers-BMW) im ersten Rennen machte die Rechnung zunichte. Mikhalchik gewann dafür den zweiten Lauf und ließ sogar den Hauch eines Lächelns aufkommen. Die Rivalen an der Spitze trennen jetzt nur noch 13 Meisterschaftspunkte. Dritter ist Mikhalchiks Teamkollege Julian Puffe. In der IDM Superbike 1000 sind fünf Motorradmarken mit hochgezüchteten Bikes vertreten, die über 200 PS leisten: BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki und Yamaha.
Dass der Titel 2018 an BMW geht, daran gibt es keinen Zweifel. Dennoch bleibt die Situation spannend, nachdem einige neue Fahrer ihren Einstand gaben. Das Karussell hatte sich vor dem Lausitzring kräftig gedreht. Der Niederländer Danny de Boer bescherte dadurch Kawasaki einen zehnten und einen achten Platz. Bei Honda lief es dagegen nicht nach Plan. Ein defekter Nockenwellensensor sorgte für das Aus des Italieners in beiden Läufen. Eine Dame war im Feld vertreten: Sarah Heide holte auf Suzuki ihren ersten IDM-Punkt in der höchsten deutschen Motorradstraßenrennsportklasse.

In der IDM Supersport 600 bleibt Max Enderlein auf der Yamaha des Freudenberg-Teams das Maß der Dinge. Der Sachse hat 57 Punkte Vorsprung in der Gesamtwertung vor dem Zweiten Marc Buchner und könnte sich theoretisch schon zwei Ausfälle erlauben, ohne seine Spitzenposition zu verlieren. Buchner hatte den ersten Lauf gewonnen, im zweiten stürzte er in der ersten Runde. Aufs Podium kamen Christian Stange (Kawasaki) und Newcomer Dennis Lippert (Yamaha). Enderleins bisher größter Rivale, der Nagolder Kevin Wahr, hatte in der Lausitz schwer zu kämpfen. Er stürzte im Training, und zur Qualifikation war sein Motorrad nicht rechtzeitig einsatzbereit. Wahr musste vom letzten Platz aus starten und betrieb nach einer Aufholjagd mit den Plätzen zehn und sieben Schadensbegrenzung. Dennoch warf ihn der Vorfall vom zweiten auf den vierten Rang in der Tabelle zurück.
In der separaten Superstock 600-Wertung für die Piloten mit seriennäheren Motorrädern, die im gleichen Feld mitfahren, gingen die beiden Siege erstmals an Stefan Ströhlein.

In der IDM Supersport 300 ist der Abstand zwischen dem Führenden Victor Steeman aus den Niederlanden und dem Sachsen Toni Erhard auf vier Punkte geschrumpft. Steeman verpasste im Wimpernschlag-Finale des zweiten Laufes mit nur 0,011 Sekunden Rückstand seinen dritten Saisonerfolg. Für Erhard war es der erste Triumph. Dritter wurde Steemans Landsmann Dion Otten mit der einzigen Honda in der IDM-Nachwuchsklasse. Sein Rückstand von über 15 Sekunden auf das Spitzenduo unterstrich die Extraklasse der beiden Spitzenreiter auf KTM. Den ersten Lauf hatte noch Jan-Ole Jähnig gewonnen, der ansonsten in der 300er-Weltmeisterschaft antritt. Im zweiten Rennen stürzte der Thüringer.

Zwei Siege nahmen Bennie Streuer/Gerard Daalhuizen (LCR F1 Suzuki) in der IDM Sidecar vom Lausitzring mit nach Hause. Mehr konnten die Niederländer in punkto Titelverteidigung nicht machen. Sie haben jetzt 30 Punkte Vorsprung vor dem zweitplatzierten Team Josef Sattler/Uwe Neubert (Adolf RS 1 F1 BMW). Aber ob diese reichen, wissen die Beiden nicht. Streuer wird dem nächsten IDM-Lauf in zwei Wochen in Assen wegen der Überschneidung mit der Weltmeisterschaft fehlen. Seine Sponsoren wollen ihn lieber in Jugoslawien sehen.

Abgerundet wurde das IDM-Wochenende auf der Strecke mit dem Twin 700-Cup sowie dem Suzuki GSX-R 1000-Cup. Es gab keine Pausen. Bei den öffentlichen Siegerehrungen im Fahrerlager, dem Pitwalk und der Autogrammstunde ging es auch im Infield rund. Und KTM hatte sogar Testmotorräder an Bord, mit denen sich die umliegende Gegend in der Lausitz erkunden ließ.