Immer wieder lockt die Isle of Man. Diesmal hat Mike Roscher den Engländer Shaun Parker hinter sich im Boot. Text: Anke Wieczorek; Foto: Anna Burkard

Sie ist ein Magnet für Roadracer, wild und schön, aber an den Rennen zur Tourist Trophy auf der berühmt-berüchtigten Isle of Man scheiden sich die Geister. Sie werden geliebt oder verteufelt. Dazwischen gibt es nichts. Sidecar-Pilot Mike Roscher gehört zu denjenigen Menschen, die dem Insel-Flair und den Rennen erlegen sind. Er ist 2018 in seiner Klasse der einzige Fahrer, der aus Deutschland kommt. Das IDM-Urgestein ist von der Insel angefixt und begibt sich derzeit zum achten Mal in seiner Karriere auf die atemberaubende wie auch zu den gefährlichsten auf der Welt gehörende Strecke.

Start und Ziel der TT ist Douglas. Von dort aus geht es auf 60,72 Kilometern über Landstraßen, Ortschaften mit verwinkelten Kurven und Ecken, hautnah an Gullys, Böschungen und Mauern vorbei. Strohballen sollen die Fahrer bei Unfällen vor größeren Verletzungen schützen, teilweise sind auch Airfences aufgebaut. Es ist unmöglich, sich alle Kurven, Bremspunkte und Gefahrenpunkte auf der langen Runde zu merken. Zu vieles ist nicht vorhersehbar und wird im Blindflug bewältigt. Ein Fehler kann das ganze Leben verändern oder beenden. Ein TT-Sieg bedeutet Ruhm für alle Zeiten. Die Strecke stellt extreme Anforderungen an Mensch und Maschine. Aber gerade das macht die TT eben aus.

Anna Burkard, in der IDM seit Jahren Roschers Dauerbegleitung im Boot des Sidecars, überlässt ihren Platz bei der TT dem Engländer Shaun Parker. Die vielen Blindflüge durch das Gebiet sind nichts für die Schweizerin. Sie kümmert sich diesmal um die Verpflegung.

Roscher, der ein F2-Gespann fährt, hat seine Zulassung für die Isle of Man auf den letzten Drücker bekommen. „Man muss vier Rennen aus dem letzten Jahr und zwei neue vorweisen können“, erzählt der 53-Jährige, der seine TT-Lizenz in London beantragen musste. Es war eine knappe Sache. Beim Frühjahrstraining in Val de Vienne verdrehte sich Roscher den sechsten und siebten Halswirbel. „Wir haben Abendbrot gegessen. Ich habe irgendeine doofe Bewegung gemacht. Das war´s.“

Bis zum IDM-Auftakt ging deshalb fast gar nichts. Doch in der Magdeburger Börde machte Roscher Nägel mit Köpfen. Gemeinsam mit Anna Burkard kam er zwei Mal als Vierter ins Ziel. Den Beiden fehlten im zweiten Lauf sogar nur knappe 0,092 Sekunden auf den Drittplatzierten André Kretzer. „Der IDM-Auftakt war für uns der erste Test, das erste Training und die ersten Rennen in diesem Jahr überhaupt“, meint Roscher. Seiner TT-Lizenz stand aber nichts mehr im Wege.

Am gestrigen Montag fand das erste Training auf der Isle of Man statt. Die erste Runde ging in Ordnung, in der zweiten mussten Roscher und Parker wegen einer gebrochenen Zündkerze anhalten. Bis zum Wochenende findet jetzt jeden Abend ein Training statt. Das erste Sidecar-Rennen ist am 2. Juni 2018.